Chatbots sind in aller Munde und gelten als eines der „Next Big Things“ überhaupt – dabei ist das Thema an sich ein alter Hut. Schon seit 50 Jahren existiert die Idee und seit ebenso langer Zeit wird konkret an Chatbots gearbeitet. Was heute anders ist: Heute existieren die Plattformen, mit denen der Einsatz von Chatbots auch wirklich sinnvoll ist. Schau dir als Beispiel Facebook und den Messenger an, wobei selbst das nur ein Anwendungsgebiet von vielen ist. Auch für Skype gibt es Chatbots, für Slack oder für WeChat – letztendlich stellt sich immer die gleiche Frage zu ihrem Einsatz: Können Chatbots nützlich für menschliche Nutzer sein? Die folgende Infografik zeigt dir die faszinierende Geschichte der Chatbots, angefangen im Jahr 1966…

Chatbots und ihre faszinierende Geschichte

Chatbots und ihre faszinierende Geschichte | Quelle

Können Maschinen wie Menschen denken?

Mit „Eliza“ tauchte erstmals 1966 etwas auf, dass sich als Chatbot bezeichnen lassen konnte, auch wenn der Begriff selbst damals noch nicht so wie heute besetzt – oder besser gesagt, noch gar nicht etabliert war. Weil 1966 sehr weit zurückliegt und weil die technischen Möglichkeiten damals entsprechend limitiert waren, war „Eliza“ letztlich nicht mehr als ein Computerprogramm, das die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen einem Menschen und einem Computer über natürliche Sprache aufzeigen sollte.

In praktischen Tests wurde schnell deutlich, dass „Eliza“ nicht wirklich als Chatbot zu gebrauchen war, weil die Umsetzung dafür zu einfach war. Echte Menschen, die mit „Eliza“ kommunizierten, merkten schnell, dass es sich um eine Maschine handelte. Trotzdem gilt dieses Computerprogramm als einer der Meilensteine in Sachen Chatbots, eben weil es sich um eine der ersten Anwendungen handelte, die in diese Richtung entwickelt wurden.

1972 folgte dann „Parry“. Diese Anwendung wurde damals noch als „Chatterbot“ bezeichnet und hatte auch nicht wirklich die Aufgaben heutiger Chatbots. „Parry“ wurde von einem Psychiater erfunden und sollte eine Person simulieren, die an paranoider Schizophrenie litt. Im Vergleich zu „Eliza“ war „Parry“ schon komplexer und wurde wie seine Vorgängerin auch im Rahmen des „Turing Tests“ eingesetzt. Mit diesem Test wollen Wissenschaftler herausfinden, ob Maschinen ein ähnliches Denkvermögen wie Menschen haben können.

[BONUS] Gratis PDF eBook und Checkliste: Lade dir das gratis eBook "10 Internet Marketing Tipps, mit denen du deine Website sofort verbesserst" jetzt runter und mach deine Website in wenigen Schritten erfolgreicher. Klick hier auf diesen Link und starte den Download deines kostenlosen eBooks!

Chatbot hält sich für Psychiater

Mit „Jabberwacky“ ging es 1988 in eine anspruchsvollere Richtung. Dieser Chatbot wurde entwickelt, um menschliche Interaktionen zu imitieren, damit ein Gespräch zwischen einem Menschen und dem Chatbot möglich wurde. Rollo Carpenter, der Schöpfer von „Jabberwacky“, wollte Chatbots erstmals eine persönliche Note geben. Aus diesem Grund sollte sich dieser Chatbots für seinen menschlichen Gesprächspartner interessieren und außerdem humorvoll und unterhaltend sein. Damit gilt „Jabberwacky“ als einer der ersten Versuche, eine wirkliche künstliche Intelligenz zu erschaffen, die in der Lage ist, auf menschliche Interaktionen zu reagieren.

1992 war das Betriebssystem „MS DOS“ auf immer mehr Computern zu finden und ganz generell ging die Entwicklung von für Privatleuten erschwinglichen „Personal Computer“ (kurz „PC“) damals durch die Decke – was sich natürlich auch auf Komponenten wie zum Beispiel den Sound auswirkte. Die Ausgabe von Musik, Tönen und Geräuschen auf PCs wurde immer besser und Anbieter wie Creative Labs bauten die passenden Soundkarten.

„Dr. Sbaitso“ konnte zwar sprechen, war aber insgesamt wenig hilfreich | Quelle

Was lag da näher, als Computern erstmals eine Stimme zu geben – und genau das tat „Dr. Sbaitso“. Dieser Chatbot wurde zusammen mit vielen Soundkarten vertrieben und kam dabei größtenteils wie ein Psychologe daher, der den Nutzer des PCs vornehmlich nach seinen Gefühlen fragte. „Dr. Sbaitso“ forderte den User auf, Fragen zu formulieren oder einfach nur mitzuteilen, was man aktuell so denke. Schwierig war, dass dieser Chatbot auf die meisten Fragen keine Antwort wusste und auch gern mit „That’s not my Problem!“ antwortete – dennoch war „Dr. Sbaitso“ ein Meilenstein in Sachen Chatbots, weil er mit konkreter Sprachausgabe arbeitete.

Roboter gewinnt TV Show gegen Menschen

Nur wenige Jahre später kam mit „A.L.I.C.E.“ einer der ersten Chatbots, der explizit dafür entworfen wurde, eine Unterhaltung mit einem Menschen zu führen. Die Abkürzung „A.L.I.C.E.“ stand für „Artificial Linguistic Internet Computer Entity“, als Chatbot für natürliche Sprache konnte aber auch „A.L.I.C.E.“ nicht den Turing Test bestehen. Nutzer, die mit diesem Chatbot kommunizierten, merkten sehr schnell, dass es sich nicht um einen Menschen, sondern um eine Maschine handelte – das Projekt wird bis heute fortgeführt.

2001 erschien mit „Smarterchild“ ein Chatbot, der vornehmlich beim Instant Messaging und für SMS eingesetzt wurde. „Smarterchild“ konnte Daten schnell finden und entsprechend ausgeben, außerdem konnten damit rudimentäre „Unterhaltungen“ geführt werden, die personalisiert waren und außerdem teilweise von den Nutzern als relativ lustig wahrgenommen wurden, weil es gern mal flapsige Antworten gab. Auch aus diesem Grund gilt „Smarterchild“ als eines der Vorbilder für „Siri“ von Apple.

„Watson“ bei der TV Show „Jeopardy“ | Quelle

„Watson“ von IBM wurde 2006 entwickelt, um bei der TV Show „Jeopardy“ zu gewinnen – und im Jahr 2011 gelang das tatsächlich. „Watson“ setzte sich gegen zwei ehemalige Champions der Show durch. Mittlerweile wird „Watson“ dazu eingesetzt, nützliche Schlussfolgerungen aus großen Datenmengen zu ziehen und menschlichen Nutzern so zu helfen, diese Datenmengen überhaupt erst zu durchblicken. Dazu setzt „Watson“ auf das Prinzip „Natural Language Processing“ („Maschinelle Verarbeitung menschlicher Sprache“).

Unterhaltungen mit Chatbots Normalität

Seit 2010 gibt es im iOS Betriebssystem von Apple „Siri“. Dieser Chatbot verdient die Bezeichnung, weil „Siri“ in der Lage ist, tatsächlich auf Fragen zu antworten. So führt die Frage nach dem Wetter zum Beispiel zu einer korrekten Angabe der tatsächlichen Wetterlage. Die Daten dafür holt sich „Siri“ aus unterschiedlichen Quellen, was aber letztlich nur ein technischer Aspekt ist. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass „Siri“ seinen Benutzer wirklich verstehen kann und die menschliche Sprache umwandelt. So sind auch Unterhaltungen mit „Siri“ möglich – wenn auch sehr oft mit ungewissem Ausgang. Seit „Siri“ sind Chatbots allerdings erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht worden.

Mit „Google Now“ zog Google 2012 nach und präsentierte eine Alternative zu „Siri“. Das war notwendig, weil das mobile Betriebssystem „Android“ von Google immer populärer und entsprechend mehr genutzt wurde. Wie auch „Siri“ ist „Google Now“ in der Lage, Befehle in menschlicher Sprache auszuführen. Mehr noch als „Siri“ wurde „Google Now“ von Anfang an als persönlicher Assistent entworfen, um den Alltag der Nutzer zu erleichtern. So liest „Google Now“ zum Beispiel über eine Gmail Adresse bestellte Flugtickets aus und liefert dem Nutzer die Bordkarte genau dann auf den Lockscreen des mobilen Endgeräts aus, wenn diese Bordkarte zum Einchecken benötigt wird.

2015 entwickelten Amazon und Microsoft mit „Alexa“ und „Cortana“ ebenfalls eigene Chatbots. Speziell bei „Cortana“ von Microsoft ist der Ansatz ähnlich wie bei „Siri“ und „Google Now“. „Alexa“ von Amazon dagegen wurde primär entwickelt, um den smarten Bluetooth Lautsprecher „Echo“ zu betreiben. „Echo“ wird von Amazon produziert und kann eingesetzt werden, um zum Beispiel die Lieblingsmusik des Nutzers abzuspielen. Genau dafür reagiert „Alexa“ auf entsprechende Sprachbefehle.

Facebook nutzt extreme Reichweite für Messenger Bots

Im Frühling 2016 stellte Mark Zuckerberg die Messenger Platform von Facebook vor. Der Facebook Messenger wird von mehr als 1 Milliarde Menschen weltweit genutzt und ist einer der beliebtesten Messenger überhaupt. Schon zwei Monate nach dem Start der Messenger Platform gab es 11.000 Chatbots für den Facebook Messenger. Der große Vorteil von Facebook und seinem Messenger ist die hohe Verbreitung. Nutzer des Facebook Messengers sind in der Regel auch Nutzer von Facebook, entsprechend viele Daten der Nutzer sind bekannt und können im Messenger verwendet werden.

Das erleichtert vor allem den Kundenservice und so setzen immer mehr Unternehmen auf eigene Chatbots für den Facebook Messenger (meinen Messenger Bot findest du hier). Damit wird es einfacher, mit den eigenen Kunden auch bei Problemen in Kontakt zu bleiben. Außerdem können Bestellvorgänge für Online Shops direkt im Facebook Messenger komplett abgewickelt werden und der Nutzer muss keine Zahlungs- oder Adressdaten mehr eingeben – sofern diese Daten Facebook schon bekannt sind.

Vorstellung der Messenger Platform auf der f8 Konferenz von Facebook | Quelle

Ebenfalls 2016 launchte Microsoft seinen Chatbot „Tay“. „Tay“ sollten weiblichen Teenager aus den USA simulieren und sich entsprechend verhalten. Nach nur 16 Stunden wurde der Stecker gezogen, weil „Tay“ eine schwere Paranoia entwickelte, im Vergleich zu der der Computer „HAL 9000“ aus dem Kinofilm „2001: Odysee im Weltraum“ wie ein relativ netter Kerl wirkte.

Fazit

Chatbots werden in den kommenden Jahren auch deinen digitalen Alltag erobern, denn die Chancen, die sich durch sie ergeben, sind zu verlockend. Wie immer, wenn es darum geht, uns Menschen das Leben angenehmer zu machen, werden sich auch Chatbots durchsetzen – eben weil wir mit ihnen unter anderem Zeit sparen, die wir dann für Dinge einsetzen können, die uns wichtiger sind. Simples Beispiel: Wenn der Einkaufvorgang im Internet durch Chatbots zeitlich halbiert werden kann, warum sollte man das als Konsument nicht nutzen? Bis sich Chatbots tatsächlich wie Menschen verhalten, wird aber noch Zeit vergehen – die technische Entwicklung macht große Schritte, doch es ist auch noch immer viel Luft nach oben.