Florian Stelzner: „Viele Geschäftsmodelle im Internet brauchen jemanden, der den Stecker zieht!“

Für meine Interview-Reihe „7 Fragen an…“ habe ich mich für mit meinem alten Weggefährten Florian Stelzner zusammengesetzt. Bitte versteh mich nicht falsch: Natürlich ist Florian nicht „alt“ (er hat sogar ein paar Jahre weniger als ich auf dem Buckel), aber wir haben schon recht viel gemeinsam erlebt, so dass es mir persönlich wie eine lange Zeit vorkommt. Allerdings macht ihn das zum idealen Interview-Partner – und nicht nur das, denn Florian hat als langjähriger SEO und Online-Marketing-Experte schon für viele renommierte Firmen gearbeitet. Wer ihn kennt, wird das bestätigen können und wer ihn nicht kennt, liest jetzt bitte einfach das spannende Interview mit ihm:

Florian Stelzner: "Viele Geschäftsmodelle im Internet brauchen jemanden, der den Stecker zieht!"

Florian, stell dich meinen Leserinnen und Lesern bitte kurz vor!

Florian Stelzner:

Sehr gern! Zunächst einmal vielen Dank, dass Du mich hier fürstlich bei Kaffee und Keksen interviewst. Mein Name ist Florian Stelzner, 34 Jahre, verheiratet, 2 Jungs (2 und 4) und ich bin Geschäftsführender Gesellschafter der Wingmen Online Marketing GmbH, einer Online Marketing Beratung aus Hamburg und außerdem Geschäftsführer bei der urfado GmbH.

1. Man kann dich ruhigen Gewissens als alten Hasen im SEO-Business bezeichnen. Was war deiner Ansicht nach der dramatischste Umbruch in der SEO-Branche bisher?

Florian Stelzner:

Die dramatischten Umbrüche finden im Bereich Offpage-Optimierung statt. Google ist sehr aggressiv geworden was das Thema Linkbuilding angeht. Viele Firmen, die darauf gesetzt haben gibt es nun – zurecht – nicht mehr. Glücklicherweise bin ich seit Jahr und Tag ausschliesslich auf der beratenden Seite tätig und das bei Kunden, die so groß und bekannt sind, dass Sie im Prinzip keine zusätzlichen Linkmaßnahmen benötigen.

Einer unserer Trainees war vorher bei einer noch immer im Bereich Linkbuilding tätigen Agentur und sagte im Vorstellungsgespräch passend: „Ich möchte endlich solide arbeiten und das Internet besser machen. Aktuell verschmutze ich es nur!“ Der junge Mann wurde für diese trefffende Aussage sofort eingestellt. Persönlich hätte ich auf diese Arbeit erstens keine Lust und zweitens könnte ich bei so einem wackeligen Geschäftsmodell nicht ruhig schlafen.

Skalierung über ausbeuterische Methoden mit billigen Praktikanten sind mir dabei ein weiterer Dorn im Auge!

2. Was ist der größte Vorteil von SEO im Vergleich zu anderen Disziplinen im Online Marketing?

Florian Stelzner:

Wenn man SEO richtig macht, dann erstellt man eine technische und inhaltlich einwandfreie Seite. Die Belohnung sind dann nicht nur bessere Rankings sondern gleichzeitig bessere Qualitätsfaktoren für AdWords und dadurch geringere Klickpreise.

Gleichzeitig wird man – wenn man Online Marketing holistisch versteht – dafür Sorge tragen, dass man alle Maßnahmen und Kanäle richtig messen kann und vor Allem auswertet, interpretiert und daraus weitere Optimierungen ableitet.

3. Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach ein wirklich guter SEO mitbringen, um heute am Markt bestehen zu können?

Florian Stelzner:

Ein richtig guter SEO hat mehrjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Geschäftsmodellen auf dem Buckel. Kennt sich neben SEO auch – zumindest teilweise – in weiteren Kanälen aus. Vernetzt sollte er sein und sich stetig auf Konferenzen, Barcamps, etc. weiterbilden bzw. gerne auch mal vorne stehen und selbst referieren.

Eigene Projekte sind eine gute Spielwiese, aber kein Beweis für professionelle Arbeit. Ein Experte muss auf großen Sites bewiesen haben was er kann und zahlreiche Geschichten über die Widrigkeiten von großen Konzernstrukturen, ständig wechselnden Anforderungen und stetigem Ressourcenmangel kennen.

4. Du hast vor 2 Jahren erfolgreich mit der „Wingmen Online Marketing GmbH“ deine eigene Agentur gegründet. Was würdest du jemanden, der ebenfalls eine solche Agentur gründen möchte, nach diesen 2 Jahren als Erfolgsrezept mit auf den Weg geben?

Florian Stelzner:

Zunächst einmal muss ich korrigieren. Wir sind keine Agentur sondern eine Beratung! Agentur klingt in meinen Ohren sofort nach geliehene Kohle, schnelle Skalierung auf Teufel komm raus und dann schnellstens der Exit. Nein danke, wir sind da von Anfang an hanseatisch unterwegs. Gestartet sind wir als UG mit den paar Euros, die wir in der Tasche hatten. Dann hieß und heißt es noch heute: Qualität inklusive Extra-Meile für den Kunden.

Das hat sich schnell herumgesprochen und so beraten wir heute nationale und internationale Kunden ganzheitlich im Online Marketing – mittlerweile auch als GmbH. All unsere Mitarbeiter sind Experten für die ich meine Hand ins Feuer legen würde. Was kann ich also mitgeben? Starte nur, wenn Du wirklich besser bist als andere und das auch langfristig halten kannst – dann lohnt sich jedes Risiko.

5. Facebook verdient immer mehr Geld mit Werbung und macht Google das Leben schwerer. Zusätzlich ist Facebook jetzt auch mit Videos auf dem Vormarsch und ärgert YouTube, das ja auch zu Google gehört. Geht es mit Google bergab?

Florian Stelzner:

Auf keinen Fall. Das Internet ist heute ohne Google-Dienste so gut wie gar nicht mehr nutzbar. Keiner kommt da wirklich drum herum und noch sind diese alle kostenfrei. Falls es bei Google wirklich mal eng werden sollte in der Kasse dann könnte das schnell geändert werden und den ein oder anderen Dollar abwerfen. Je mehr Technologie Google miteinander vernetzt desto schneller werden auch neue gewinnbringende Einnahmequellen generiert.

Ich denke da an das Self-Driving-Car, Home-Automation, Glasfaserausbau in US und nicht zuletzt die Verknüpfung von stationärem Handel mit der Onlinewelt. Grundsätzlich ist es doch auch gut wenn mehr Trafficlieferanten im Spiel sind. Es ist sehr gefährlich von nur einem Anbieter abhängig zu sein. Viele Geschäftsmodelle im Internet brauchen eine Generalüberholung bzw. jemanden, der den Stecker zieht. Branchenbücher, Preisvergleiche bzw. Vergleiche jeglicher Art (Stichwort Google Auto Insurance Comparison), Verzeichnisse, etc. sind überflüssig geworden.

Neben Facebook und Google gibt es zum Glück ja auch noch weitere Mitspieler wie zum Beispiel Amazon mit seinen neuen Home Services.

6. In den letzten Jahren sind immer mehr Tools auf den Markt gekommen, nicht nur in der SEO-Branche. Warum sind Tools so wichtig, um erfolgreich Online Marketing zu machen?

Florian Stelzner:

Ein leidiges Thema. Gefühlt kommt jeden Tag ein neues Tool dazu. Ich erzähle gerne die Geschichte von meinem Werkzeugkoffer zu Hause. Ein Schmuckstück, alles drin und sicher nicht von schlecher Qualität. Leider kann ich damit kein Haus bauen (findet meine Frau übrigens auch).

Es kommt vor allem auf das Gehirn-Tool an, dass man zur Interpretation von Metriken und zur Übersetzung in konkrete Maßnahmen braucht. Weniger Tools – mehr umsetzen! SEO durch „Handauflegen“ hat noch nie funktioniert.

7. Deine Prognose: Wohin geht die Reise für die Online Marketing Branche und wird es SEO in 5 Jahren als eigenständige Disziplin noch geben?

Florian Stelzner:

Moment mal, hast Du mich das vor 5 Jahren nicht schon einmal gefragt? Keine Ahnung – und das ist auch gut so! Wer sich nicht weiterentwickelt stirbt aus. Das war so, ist so, bleibt so. SEO wird anders, komplexer und verzahnter mit anderen Kanälen. Solange es noch eine organische Traffic-Quelle gibt wird es jedenfalls auch noch SEO geben.

Florian, vielen Dank für das Interview!

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Björn Tantau

Unternehmensberater, Keynote Speaker, Coach und Autor

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4 Kommentare zu „Florian Stelzner: „Viele Geschäftsmodelle im Internet brauchen jemanden, der den Stecker zieht!““

  1. […] Wohin die SEO-Reise geht. SEO befindet sich im ständigen Wandel: Linkbuilding-Dienstleister stellen sich neu auf oder schließen ganz, Facebook versucht Google den Rang abzulaufen, beinah täglich kommen neue Tools auf den Markt. Fundiertes Interview von Björn Tantau mit SEO-Experte Florian Stelzner zum Status Quo plus Ausblick – und worauf es bei der Gründung eines eigenen Beratungsunternehmen ankommt. [bjoerntantau] […]

  2. […] Florian Stelzner über Geschäftsmodelle im Internet – Für meine Interview-Reihe “7 Fragen an…” habe ich mich für mit meinem alten Weggefährten Florian Stelzner zusammengesetzt. Bitte versteh mich nicht falsch: Natürlich ist Florian nicht “alt”. Weiter… […]

  3. Hallo,

    mich interessiert insbesondere folgende Aussage: „Branchenbücher, Preisvergleiche bzw. Vergleiche jeglicher Art (Stichwort Google Auto Insurance Comparison), Verzeichnisse, etc. sind überflüssig geworden.“

    Bislang habe ich mich gar nicht mit Verzeichnissen auseinandergesetzt, da ich in ihnen keinen Mehrwert gesehen habe. Mein neuer AG ist jedoch auf zahlreichen, sogar kostenpflichtigen Online-Portalen vertreten und ich muss mich quasi tagtäglich damit auseinandesezten – insbesondere mit lästigen Angeboten via Telefon. Website Traffic wird über diese Portale so gut wie keiner generiert. Und was ich von den s.g. „Kombipaketen mit Printanzeige“ habe ist mir schleierhaft. Im Unternehmen höre ich auf Rückfrage immer nur dass „unsere Mitbewerber auch dort sind“. Das genügt mir selbstverständlich nicht.

    Gibt es überhaupt noch einen guten Grund, auf Fachportalen vertreten zu sein?

    Danke und Gruß

  4. Hallo Ralf,

    es kann schon was bringen, wenn darüber tatsächlich Traffic kommt – was bei dir wie du sagst nicht der Fall ist.

    Die Aussage über die Mitbewerber zeugt natürlich davon, dass man offenbar kein wirkliches Interesse hat, sich mit der Materie ernsthaft zu befassen.

    Insofern müsste da zunächst wohl ein Umdenken auf der Führungsebene vollzogen werden.

    Gruß
    Björn

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