Hat du schon Bekanntschaft mit dem Facebook Explore Feed („Facebook Entdecker Feed“) gemacht? Bei seiner Einführung schreckte er vor allem Publisher auf und eine Menge Fragen wurden gestellt: ist dieser neue, parallele News Feed sinnvoll? Beschneidet er die organische Reichweite noch weiter oder gibt es in Zukunft vielleicht sogar gar keine organische Reichweite mehr? Nach der Einführung zeigte sich, dass die Realität für die große Mehrheit der Publisher immer noch recht positiv zu sein scheint. Trotzdem ist es sinnvoll, sich den Facebook Explore Feed genauer anzuschauen. Nur wenn du ihn verstehst, kannst du im Zweifel richtig reagieren, wenn du selbst als Publisher betroffen bist oder künftig betroffen sein wirst…

Facebook Explore Feed: Gefahr für deine organische Reichweite?

Facebook Explore Feed: Gefahr für deine organische Reichweite? | Bild: hbrh, Adobe Stock

Was genau ist der Facebook Explore Feed?

Der Facebook Explore Feed zeigt dir Posts von Seiten an, die den von dir bereits gelikten Seiten ähneln (so kannst du neuen Content „entdecken“). Er ist schon seit einiger Zeit für die mobile Ansicht verfügbar und wurde vor kurzem auch für die Desktop Version gelauncht (allerdings nur in bestimmten Ländern). Per Klick erhältst du einen alternativen News Feed mit den nach Facebooks Meinung besten Posts anderer Seiten und Personen.

So kannst du, wie der Name eben vermuten lässt, auf Entdeckungsreise gehen und dich von Inhalten inspirieren lassen, die du sonst vermutlich niemals gefunden hättest. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass die Posts vom normalen News Feed in den Explore Feed wandern, dieser aber nur durch einen aktiven Klick vom Nutzer aufgerufen werden kann. Der Content taucht also nicht wie bisher automatisch auf, sondern muss aktiv entdeckt werden.

Dadurch sinkt die Reichweite mit teilweise dramatischen Folgen. Das haben zumindest verschiedene Publisher während eines Testlaufs von Facebook im Oktober 2017 festgestellt. Und dagegen helfen anscheinend nur bezahlte Postings, die dann auch die organische Reichweite wieder ansteigen lassen. Genau diese Entwicklung ist problematisch, weil betroffene Publisher folglich nur mit dem Einsatz finanzieller Mittel dafür sorgen können, dass die ursprüngliche Reichweite ansatzweise zurückkehrt.

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Publisher fürchten um ihre Reichweite

Der erste Testlauf für den Facebook Explore Feed fand zunächst in Sri Lanka, Bolivien, Slowakei, Serbien, Guatemala und Kambodscha statt und nach offensichtlich positiven Ergebnissen fand dann konsequenterweise der globale Rollout statt. Seitdem gab es aber wider Erwarten zwar keine allzu dramatischen neuen Meldungen von Publishern, die bei der organischen Reichweite weitere Federn lassen mussten. Trotzdem ist Facebook insgesamt vor allem als Traffic Lieferant weniger bedeutend als noch vor einigen Jahren. Das ist vermutlich auch von Facebook so beabsichtigt, denn solange das Anzeigengeschäft boomt, wird Facebook sicher nicht daran arbeiten, das Erzielen von organischer Reichweite (wieder) leichter zu machen.

Facebook Explorer Feed in der Desktop Version

Facebook Explorer Feed in der Desktop Version | Bild: Facebook

Aufgrund der bisher doch nicht ganz so dramatischen Auswirkungen kannst du für den Moment aufatmen, wenn du selbst als Publisher aktiv bist. Trotzdem bleibt es wichtig, dich mit den neuen Faktoren vertraut zu machen, denn nach allem, was bisher bekannt ist, folgt auch der Facebook Explore Feed den Grundregeln des herkömmlichen News Feeds. Es geht also auch in Zukunft darum, mit den eigenen Inhalten möglichst viel Engagement zu erzeugen, damit mehr User deinen Content auf Facebook finden, entdecken und/oder erleben.

Letztendlich gibt es nun aber künftig zwei unterschiedliche Orte innerhalb von Facebook, an denen du Reichweite erzeugten kannst – je nachdem, wo deine Inhalte ausgespielt werden. Sofern es bei dir einen Shift in den Facebook Explore Feed gab, bist du als Publisher gefordert. Du kannst versuchen, deine Inhalte noch attraktiver zu machen, damit du mehr Reichweite bekommst. Zweifellos wird es aber auch dann nicht wieder so viel Reichweite geben, wie das ehemals der Fall war – und genau aus diesem Grund musst du dir überlegen, wie du mit der neuen Situation umgehst, wenn du wirklich betroffen bist.

Wie du als Publisher auf den Facebook Explore Feed reagieren musst

Der Facebook Explore Feed ist Realität und mit dieser Realität musst du leben, wenn du als Publisher auf Facebook betroffen bist (oder betroffen sein wirst). Den Kopf in den Sand zu stecken ist allerdings genau die falsche Reaktion und du solltest dir lieber überlegen, wie du aus der neuen Situation das Beste machen kannst. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie du auch in Zukunft mit deinem Facebook Marketing erfolgreich sein kannst…

1. Konzentriere dich stärker auf Facebook Gruppen

Facebook investiert in Gruppen. Im Juni 2017 fand die erste Community Konferenz statt, an der hunderte Gruppenadmins teilnahmen, zusätzlich wurden etliche neue Tools eingeführt, darunter auch Statistiken. Ein unverkennbares Zeichen also, dass Facebook in diesem Bereich wachsen will. Natürlich kann es sein, dass auch die Reichweite von Gruppenposts künftig zurückgeht.

Beispiel einer mit einer Facebook Page verknüpften Gruppe

Beispiel einer mit einer Facebook Page verknüpften Gruppe | Bild: Facebook

Im Moment aber sind sie sowohl für Facebook als auch die meisten User sehr interessant. Du kannst deine eigene Gruppe erstellen und sie auf deiner Facebook Page verlinken. Aber auch als Mitglied in anderen Gruppen hast du eine Menge Möglichkeiten. Lerne Mitglieder besser kennen, biete deine Hilfe an und mach dich nützlich. Gruppen bieten, anders als Facebook Pages, einen geschlossenen Raum, der sich meist um ein spezielles Thema dreht.

Kern dieser Gruppen ist die Kommunikation der Gruppenmitglieder untereinander. Bei Unternehmensseiten kommuniziert ein Nutzer hauptsächlich mit dem jeweiligen Unternehmen, genau deswegen werden Facebook Unternehmensseiten mittlerweile auch oft als digitale Visitenkarten wahrgenommen. Gruppen sind dagegen eine echte Alternative für Informationen, Recherche und Kommunikation.

2. Biete einen Facebook Messenger Bot an

Beim Social Media Marketing gibt es einen sehr populären Trend rund um die private Kommunikation. Wir alle nutzen WhatsApp, Skype und andere Messenger wie den von Facebook, um mit Bekannten, Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben. Genau diese Möglichkeiten der Vernetzung entdecken auch immer mehr Unternehmen für sich.

Dank Chatbots können Unternehmen ihren Kunden näher sein, besseren Support bieten und Teil der Unterhaltung werden, ohne zu aufdringlich zu sein. Chatbots sind mittlerweile durch diverse Tools einfach zu erstellen. Wenn du kreativ bist, dann kannst du dich in diesem Bereich definitiv als Vorreiter positionieren und deine Zielgruppe einfacher, schneller und direkter erreichen als jemals zuvor.

3. Setze gezielte Facebook Werbung strategisch ein

Dank bezahlter Werbung konnten vom ersten Testlauf des Facebook Explorer Feeds beeinträchtigte Inhalte wieder an Reichweite zulegen. Der Gedanke, die ehemals „kostenlose“ Reichweite künftig nur noch gegen Geld von Facebook zu bekommen, ist zugegebenermaßen nicht angenehm – doch langfristig sollten sich alle Publisher an diesen Gedanken gewöhnen, auf Facebook Werbung zu schalten.

Sowohl die Fans jeder Facebook Unternehmensseite als auch die grundsätzliche Reichweite sind nicht Eigentum der Publisher. Am Ende sitzt Facebook auf den Möglichkeiten, die Reichweite zu regulieren – und genau das wird Facebook nach eigenem Ermessen tun. Wichtig ist, dass du Werbung strategisch einsetzt und immer ein konkretes Ziel hast – wie zum Beispiel den Aufbau neuer Leads oder den konkreten Abverkauf von Produkten, denn bei solchen Zielen lohnt sich Werbung und dann kann dir auch der Facebook Explore Feed nichts anhaben.

4. Nicht alles auf eine Karte setzen

Am meisten macht die Einführung des Facebook Explore Feeds den Publishern zu schaffen, die sich einzig und allein auf Facebook verlassen haben. Natürlich ist eine Website immer noch der wichtigste Teil deines digitalen Marketings – und Facebook hat mit dieser Aktion gezeigt, wie sehr das stimmt. Trotzdem darfst du jetzt nicht grundsätzlich Facebook und Co. Links liegen lassen, du darfst dich nur nicht eben darauf verlassen, dass sich die Dinge niemals ändern.

LinkedIn und Instagram haben aus meiner Sicht aktuell die größten Potenziale und genau deswegen solltest du dich auch mit den dortigen Möglichkeiten beschäftigen. Letztendlich ist es nicht wichtig, wo deine Reichweite herkommt, wenn du die richtige Zielgruppe ansprechen kannst. Deine Website ist und bleibt dein Content Hub, denn am Ende des Tages muss deine Reichweite genau dort konvertieren – und das gilt nicht nur, wenn du einen Online Shop betreibst.

Fazit

Der Facebook Explore Feed ist aus meiner Sicht der Beginn einer Entwicklung, die sich schon lange abzeichnete und sich jetzt zu beschleunigen beginnt. Die organische Reichweite auf Facebook muss sinken, weil es immer mehr Content gibt, die Anzahl der User aber nicht im gleichen Maße steigt. Zusätzlich ist die Aufmerksamkeit der User begrenzt und niemand kann sich endlos Inhalte auf Facebook anschauen und dementsprechend auch nicht interagieren.

Genau diese Interaktionsfreudigkeit ist aber die wichtigste Triebfeder für deinen Erfolg auf Facebook. Je mehr Engagement dein Content verursacht, desto mehr User wirst du erreichen – ganz einfach weil der Facebook Algorithmus exakt so gestrickt ist. Die Lösung ist also extrem hochwertiger Content, der aus der Masse hervorsticht und für überdurchschnittlich viel Engagement sorgt.

Mit dieser Taktik kannst du der Entwicklung entgegenwirken und für dich immer noch sehr gute Werte bei der organischen Reichweite für deinen Content auf Facebook herausholen. Auf lange Sicht solltest du dich aber mit dem Gedanken anfreunden, dass es nur noch wenig organische Reichweite geben wird. Wenn du dann keine durchdachten Strategien für erfolgreiche Werbung auf Facebook hast, dann wirst du es künftig schwer haben, auf Facebook nachhaltig erfolgreich zu sein.