Es ging so schnell: Nicht mal ein Jahr ist es her, als Facebook sich entschloss, das Thema „Video“ ernsthaft in Angriff zu nehmen. Knapp 12 Monate später verzeichnet Facebook pro Tag 4 Milliarden Video-Views – eine Menge, auf die YouTube 10 Jahre warten musste. Und das ist erst der Anfang: Im Februar 2015 wurden 70 Prozent aller Videos direkt auf Facebook hochgeladen („Native Video“), ein Jahr zuvor waren es nur 25 Prozent. Dieser rasante Zuwachs macht deutlich, wie gut Videos auf Facebook funktionieren. Doch was ist der Grund dafür? Kann Facebook den „Video-Krieg“ gegen YouTube tatsächlich gewinnen und was wird das für YouTube und Google bedeuten?

Wird Facebook den Video-Krieg gegen YouTube gewinnen?

Quelle: 360b, Shutterstock.com

Oh ja, Google hat derzeit ein paar Probleme: Google Glass ist gefloppt, Google+ taumelt seinem Ende entgegen und Facebook gibt bei Videos und Werbung so viel Gas, dass uns allen schwindelig wird. Hättest du vor nur einem Jahr gedacht, dass Facebook wirklich so erfolgreich wird?

Oder eben Google so unerfolgreich, das ist Ansichtssache. Klar ist, dass Video die Zukunft im Internet zu sein scheint – immer mehr Apps, Websites, Anbieter und Geschäftsmodelle drängen auf den Markt und wollen bei Bewegtbild mitmischen.

Nehmen wir nur mal Snapchat, wo die Streaming-Funktion immer populärer wird. Oder Periscope und Meerkat, die komplett auf Streaming ausgerichtet sind – und auch Portale wie YouNow gehören dazu.

Verdrängt Video Text und Bild?

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Immer mehr Menschen wollen nicht mehr via Text oder Bild kommunizieren, sondern über Videos. Auch traditionelle Telefongespräche könnten in Zukunft immer seltener werden.

Aktuellen Studien zufolge soll der Bereich „Video“ im Internet bis 2020 pro Jahr um 55 Prozent wachsen und laut einer weiteren Untersuchung sollen Videos schon 2019 für 80 Prozent des Traffics im Web verantwortlich sein.

Der Anteil an Videos beim Traffic im Netz steigt stetig

Der Anteil an Videos beim Traffic im Netz steigt stetig (Quelle)

Rosige Zeiten also für Facebook? Ja, denn Facebook hat gegenüber zahlreichen anderen Anbietern einen großen Vorteil: Facebook separiert Videos nicht sondern integriert sie in den News Feed der User.

Facebooks News Feed kennt keine Kanäle

Warum ist das wichtig? Traditionelles Fernsehen funktioniert in Kanälen – auch YouTube arbeitet mit „Kanälen“ gearbeitet, aber Kanäle stehen für das TV, wie er bisher existiert hat: Linear und vom eigenen Alltag abgegrenzt.

Auf Facebook finden Videos im News Feed statt, inmitten von anderen Inhalten, die den einzelnen User interessieren. Diese Videos müssen nicht in Kanäle eingeteilt werden, die User entscheiden auf dem Smartphone mit ihren Daumen selbst, welche Videos ihnen gefallen und welche nicht.

Auf Basis dieser Aktivitäten sucht der Algorithmus von Facebook weitere Inhalte aus – das können auch Videos sein, aber nicht nur. Die fehlende Klassifizierung der unterschiedlichen Arten von Content macht den Reiz des News Feeds aus.

Unterhaltung wird wichtiger als Information

Für dich als User ist das auf Facebook ein Vorteil, denn es ist kein Wechseln zwischen einzelnen Kanälen notwendig. Alle Inhalte, die dich interessieren, sind im News Feed kombiniert und du kannst entscheiden, welche du davon liest oder dir anschaust – und welche nicht.

Im Hintergrund lernt dich der Algorithmus besser kennen und macht deine User Experience noch besser – ein Vorgang, den YouTube schlicht und ergreifend nicht bieten kann. YouTube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine – und das war bisher immer ein Vorteil, denn vor allem die Möglichkeit, sich Informationen gezielt zusammenzusuchen, war und ist einer der Punkte, die für YouTube sprechen.

Das Problem: Im mobilen Zeitalter wird das Smartphone immer mehr zum Zeitvertreib eingesetzt. Ganz unabhängig davon, dass viele Menschen einfach nur Fotos und Videos aufnehmen, um sie dann sofort Freunden und Bekannten oder auch der ganzen Welt zu zeigen.

Entertainment schlägt Infotainment

Das mobile Internet bringt die Unterhaltung mehr in den Vordergrund. Und wenn es um „Entertainment“ geht, dann gehören bewegte Bilder natürlich dazu.

Im Prinzip ist es ganz einfach zu verstehen: Wenn ein Bestseller-Autor auf Lesetour geht, dann macht er eventuell viele Hallen voll und kann sich sicher sein, dass eine ganze Menge Zuhörer kommen, um ihn zu erleben. Ein Hollywood-Blockbuster aber lockt deutlich mehr Zuschauer in die Kinos und später vor die heimischen Bildschirme.

Videos fügen sich nahtlos in deinen News Feed auf Facebook ein

Videos fügen sich nahtlos in deinen News Feed auf Facebook ein

Warum? Weil Filme in großen Teilen der Bevölkerung populärer sind als Bücher. Außerdem ist es anstrengender ein Buch zu lesen, als einen Film zu schauen.

„TV 2.0“ als Auslaufmodell

Das alles spricht für Facebook als künftigen Gewinner im „Video-Krieg“ mit YouTube. Findest du nicht auch, dass Facebook wie die Zukunft wirkt und YouTube eher wie „TV 2.0“?

Grundsätzlich mag das nicht schlecht sein, aber meine persönliche Überzeugung ist, dass die Tage des linearen Fernsehens gezählt sind. Immer mehr Menschen wollen Inhalte zu bestimmten Zeiten konsumieren und ein individuelles Programm genießen.

Diese Entwicklung wird Facebook, aber auch Streaming-Anbieter wie Netflix beflügeln. YouTube hingegen kämpft mit der eigenen Kategorisierung von Inhalten in Kanälen – man könnte auch „Schubladen“ dazu sagen.

Fazit

YouTube wird nicht so schnell verschwinden, allerdings wird es die Google-Tochter immer schwerer haben, gegen Facebook anzukommen. Und wenn Google als für YouTube verantwortliches Unternehmen nicht ein paar wirklich bahnbrechende Konzepte für YouTube aus dem Ärmel schüttelt, dann könnte der langsame Tod von YouTube schon in Kürze beginnen – und sich beschleunigen.

Letztendlich entscheidet immer die Masse der User, was am besten funktioniert. Und darüber müssen sich auch Marketing-Entscheider im Klaren sein – es interessiert am Ende keinen Menschen, welche Konzepte in der Schublade lagen und realisiert wurden… wenn diese Konzepte von den Usern nicht angenommen werden, dann funktionieren sie nicht und enden unweigerlich in eine Sackgasse.

Die User entscheiden den „Video-Krieg“ zwischen Facebook und YouTube. Aktuell hat YouTube mit dem Vermarktungsmodell für Inhalte noch einen deutlichen Vorteil, denn solange man auf YouTube als Video-Blogger Geld verdienen kann, wird man seinen Content weiter dort abladen… sollte Facebook aber ebenfalls – und davon kannst du ausgehen – in dieser Richtung aktiv werden, dann könnte sich das Ende von YouTube ziemlich bald beschleunigen.