Wir Menschen lieben Studien. Am liebsten sind uns Studien, die schön dramatisch daherkommen – selbst wenn der eigentliche Anlass gar nicht dramatisch ist. Dass Facebook angeblich schon seit Jahren die jungen Leute weglaufen, ist kein Geheimnis mehr. Dass Facebook darunter allerdings nicht leidet, schon. Zu viele Leute denken, dass Facebook dem Untergang geweiht ist, nur weil die Jungen das weltweit größte soziale Netzwerk nicht mehr „trendy, hip und sexy“ finden. Es stimmt – junge Erwachsene tummeln sich mittlerweile lieber auf Instagram, dafür wird Facebook zunehmend von älteren Nutzerinnen und Nutzern bevölkert. Doch ist das für Facebook selbst überhaupt ein wirklich ernstes Problem?

Warum Senioren Facebook entern und junge Erwachsene Instagram lieben

Quelle

Kein wirklicher Exodus

Fakt ist: Facebook ist noch immer das weltweit größte soziale Netzwerk, auch wenn in regelmäßigen Abständen zu lesen ist, dass der Exodus begonnen hat. Lustig ist allerdings, dass die Mitgliederzahlen irgendwie nicht wirklich einbrechen wollen.

Woran liegt das? Ich bestreite hier nicht, dass Facebook und die jungen Erwachsenen nicht mehr so gute Freunde sind, wie sie das noch vor einigen Jahren waren – was aus meiner Sicht aber eine ganz normale Entwicklung ist.

Grund: Junge Leute sind sprunghafter als ältere Menschen und probieren viel schneller neue Dinge aus – die Welt dreht sich für viele Menschen im Alter zwischen 13 und 29 viel schneller.

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Facebook bei Late Majority und Laggards angekommen

Wer älter ist, macht nicht mehr jeden Trend sofort mit. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum Facebook für „Senioren“ zunehmend attraktiver wird.

Wie bei jeder neuen Mode haben sich zunächst die Innovators und Early Adopters auf Facebook gestürzt, danach kam die breite Masse (Early Majority und Late Majority) und jetzt ziehen die Laggards nach. Und bei diesen Laggards handelt es sich auch um Menschen gehobenen Alters.

In der Regel sind solche Entwicklungen auch bei anderen Technologien zu beobachten. Denkt mal an eure Eltern und Großeltern: Hatten dort alle von der ersten Stunde an das neueste Handy, Tablet oder Smartphone?

Ältere Menschen bringen mehr Geld

Ausnahmen bestätigen die Regel, dennoch: Erst kommen die Jungen, dann die Alten. Logisch also auch, dass die jungen Leute die ersten sind, die sich auch wieder anderen Dingen zuwenden.

Im Fall von Facebook ist das Instagram, denn laut einer neuen Studie von Pew Research wandern in der Tat viele junge Leute bei Facebook ab – um sich dann Instagram zuzuwenden. Das führt aber nicht zwangsläufig zu Besucherschwund, denn auf der anderen Seite wird Facebook von vielen neuen, aber älteren Mitgliedern „aufgefüllt“.

Kein Grund zur Panik – im Gegenteil. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist Facebook mit Leuten aus der Altersgruppe der über 50-Jährigen deutlich besser bedient, denn diese Menschen haben in der Regel mehr Geld zur Verfügung.

Instagram als Vorbereitung auf Facebook

Bei jungen Leuten ist das oft nicht der Fall, entsprechend geringer fallen die Ausgaben dieser Menschen aus. Bei steigendem Einkommen wird dagegen auch mehr konsumiert.

Facebook kann sich also sicher sein, dass mehr Geld mit Werbung verdient wird, weil eine ältere Nutzerschaft allein schon aus demografischen Aspekten mehr einkauft – und somit auch mehr Werbung konsumiert, denn nur auf diese Weise kann man aus Facebook heraus bekanntlich auf die Websites der dort Werbenden gelangen.

Facebook hat also einen wirtschaftlichen Vorteil, wenn sich die Altersstruktur der Nutzerinnen und Nutzer nach oben verändert. Und zusätzlich wird immer wieder vergessen, dass Instagram schon seit 2012 zu Facebook gehört – es ist also grundsätzlich kein Problem, wenn die jungen Leute lieber auf Instagram unterwegs sind, denn davon profitiert Facebook (das gilt übrigens auch für WhatsApp, nur so als Erinnerung) schließlich auch.

Facebook wird mehr Geld verdienen

Studien wie die aktuelle von Pew Research sagen nur aus, dass sich die Altersstruktur auf Facebook verändert. Sie sagen nichts darüber aus, ob Facebook aufgrund dieser Entwicklungen schlechter dasteht.

Wirft man einen Blick auf die generelle demografische Entwicklung in den Märkten, wo Facebook hauptsächlich vertreten ist, dann ist die Verschiebung der Altersstruktur vollkommen logisch und nachvollziehbar.

Dass Facebook daraus letztendlich auch noch mehr Kapital schlagen wird, liegt meiner Ansicht nach auf der Hand. Und die jungen Menschen, die aktuell lieber auf Instagram als auf Facebook unterwegs sind, werden letztendlich selbst auch älter – und dann irgendwann wahrscheinlich wieder aktive User auf Facebook.

Fazit

Facebook hat kein grundsätzliches Problem, zudem es keinen echten Exodus von jungen Menschen gibt. Aus diesem Grund wird das weltweit größte soziale Netzwerk in den kommenden Jahren ebenfalls keine ernsthaften Schwierigkeiten bekommen.

Selbstverständlich gibt es eine natürlich Grenze, denn Facebook kann maximal nur so viele Nutzerinnen und Nutzer haben, wie es Internet-User auf der Welt gibt. Davon kann Facebook nicht alle erreichen (siehe China) und so wird das Wachstum irgendwann langsamer werden oder sogar stagnieren.

Finanziell gesehen beginnt die wirkliche Monetarisierung der Facebook-User meiner Ansicht nach aber erst. Es gibt immer neue Varianten, mit denen erfolgreich Geld verdient wird – und auch Plattformen wie Instagram werden nicht ewig von dieser Entwicklung ausgenommen werden.