Skurril und abgefahren, aber wahr: ein Münchener durchstöbert das Netz nach toten Profilen und digitalen Nachlässen. Dass es einige Millionen Fake Accounts gibt, ist klar. Auch Facebook hat mit solchen „Usern“ zu kämpfen. Tatsächlich aber gibt es natürlich auch Profile und digitale Spuren von nicht mehr lebenden Personen. Allein bei Facebook versterben pro Jahr mehr als 200.000 Mitglieder. Ein Unternehmer aus Bayern nutzt das jetzt als Geschäftsidee. Klingt verrückt, ist aber ziemlich wirkungsvoll. Letztendlich sind es aber „nur“ Auftragsarbeiten. Erben kontaktieren ihn, um im Netz nach Spuren des Angehörigen zu suchen – ein digitaler Nachlass sozusagen. Denn zu selten ist dieser Nachlass auch nach dem Tod des Nutzers online. Und dieser Nachlass ist manchmal bares Geld wert.

Unternehmen sucht nach digitalen Nachlässen

Unmengen digitaler Guthaben

Viele Angehörige sind mit dieser Aufarbeitung überfordert, weshalb sie Oliver Eiler aus München beauftragen. Was ist, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ein Fan von Onlinepokerspielen war und dort jede Menge Gewinn, also digitales Guthaben erwirtschaftet hat?

Eiler ist Geschäftsführer bei Columba, einer Firma für Online Begräbnisse, die mit einem bundesweit tätigen Bestatterverband kooperiert. Für die Auftraggeber werden registrierte Internetaktivitäten recherchiert und der Nachlass nach den Wünschen der Erben rechtssicher geregelt.

Wie auch im normalen Leben ist es möglich, dass sich die Erben nicht bewusst sind, dass es überhaupt noch Guthaben gibt. In diesem Punkt ist die Geschäftsidee aus Bayern bisher einmalig.

150 Millionen Euro jährlich

Die Abwicklung läuft wie folgt: die Erben senden Eiler oder der Firma die amtlichen Daten des Verstorbenen. Eine Datenbank stellt die Informationen mit Angaben eines Internetunternehmens ab. Das Profil wird dann sozusagen ausgewertet und gelöscht. Nach Angaben des Unternehmens seien es etwa 150 Millionen Euro, die so jährlich aufgespürt werden könnten.

Der dagegen relativ geringe finanzielle Aufwand lohnt sich so für die Erben also allemal. Trotz dieser Tätigkeiten werden viele digitale Guthaben nicht oder nur teilweise entdeckt. Außer dem Unternehmer aus München ist bisher scheinbar niemand auf die Idee gekommen, eine solche Form der Nachlassermittlung und -verwaltung anzubieten.

Stellt sich Frage, wann die umgekehrte Variante als Geschäftsidee in Mode kommt und nach digitalen Schulden gesucht wird. Auf den ersten Blick erscheint auch das verlockend, die Möglichkeit aber, ein Erbe zum Beispiel auszuschlagen, wird einen möglichen Vorstoß in dieser Richtung allerdings wohl eher unwahrscheinlich machen.