Gestern Abend ging ein Aufschrei durch das Netz: WhatsApp war down! Grundgütiger Gott. Mehrere Stunden. Panik. Verzweiflung. Ernsthaft, an manchen Stellen konnte ich Dinge lesen, von denen ich nicht geglaubt hätte, sie jemals hätte lesen zu müssen. So berichtete eine Mutter auf Facebook, dass sie die Sache auch bei ihrer Tochter nachgeprüft hätte – die saß mit einem Haufen Freundinnen zusammen in ihrem Zimmer und auf keinem Smartphone funktionierte WhatsApp, weswegen die „Party“ wohl zum Erliegen kam. Amüsant, oder? Nicht wirklich. Auch Facebook-Pages, die sich innerhalb von Minuten gründeten, um dann in nur wenigen Stunden 50.000 Fans einzusammeln, sprachen eine deutliche Sprache. Gleiches gilt für Twitter: Hier hagelte es Tweets, ich konnte in 5 Minuten so um die 2000 zählen, die nur nach dem Hashtag „#whatsapp“ gefiltert waren. Vermutlich waren es noch. Die Downtime glich also einem digitalen Weltuntergang – so schien es zumindest. Was aber wirklich dramatisch ist: Die Downtime lehrt uns Schockierendes über fremdbestimmte Systeme – und über uns!

Traurig aber wahr: Was uns die Downtime von WhatsApp über fremdbestimmte Systeme lehrt

Oh mein Gott, WhatsApp ist down!

Als ich gegen 20 Uhr 30 von der Downtime auf Facebook las, dachte ich an einen Scherz. Sofort schaute ich auf Google nach und konnte nichts entdecken. Auch auf Twitter war zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu dem Thema zu entdecken. Einige Tweets sprachen davon, dass WhatsApp nicht erreichbar sei. Nun gut, das kann passieren. Es schien aber keine große Sache zu sein.

Nur 15 Minuten später sah das ganz anders aus: Auf Facebook machte sich Hysterie breit, Tweets über die WhatsApp Downtime flattern im Sekundentakt ein. 450 Millionen auf dem Planeten waren von der Kommunikation abgeschnitten – so klang es zumindest, was die Menschen in ihren Tweets und Status-Updates auf Facebook verbreiteten.

Natürlich waren sie nicht abgeschnitten, nur ihr Lieblingsspielzeug funktionierte nicht mehr, für eine gewisse Zeit. Das reichte aber, um bei zahlreichen Leuten Panik hervorzurufen. Bedauerlicherweise hatte ich gestern keinen Artikel zu dem Thema verfasst – wäre ich damit in Google News gelandet, hätte vermutlich mein Server geraucht. Aber egal, eine tiefgreifendere Betrachtung der Sache ist eher nach meinem Geschmack als eine schnell aufgesetzte News, nur um kurzzeitige Aufmerksamkeit zu erhaschen.

It’s the End of the World as we know it? Nope…

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Was war mein zweiter Gedanke? Mein zweiter Gedanke war: „Mark Zuckerberg ist so eine coole Sau. Der kauft etwas für 19 Milliarden US-Dollar, nur um es plattzumachen, damit sein eigenes Business nicht bedroht wird.“ Ganz ehrlich, wenn das wirklich so passiert wäre, hätte Zuckerberg eine Kampfansage herausgehauen an alle, die ihm jetzt gefährlich werden oder jemals gefährlich werden könnten.

Wie es scheint, handelte es sich nach aktuellem Stand der Dinge tatsächlich nur um interne Probleme bei WhatsApp. Die sind zwar in dieser Form so noch nie vorgekommen und es wirkt schon sehr seltsam, dass es ausgerechnet jetzt zu einer solchen Downtime gekommen ist, wo Facebook seine Finger aufgrund der Übernahme im Spiel haben könnte. Das ist aber Spekulation und wer sich für Verschwörungstheorien interessiert, sollte sich auf Twitter umschauen, denn da findet man noch Massen solcher Thesen – alle größtenteils von gestern Abend.

Offensichtlich wurde WhatsApp also nicht geschlossen und gegen Mitternacht unserer Zeit war der Messangern auch wieder voll einsatzbereit. Die paar Stunden dazwischen allerdings offenbarten ein großes Problem, in dem sich die digitale Gesellschaft aktuell befindet. Der Ausfall eines einzigen Tools scheint die Leute vor echte Herausforderungen zu stellen und für viele scheint es nicht möglich, schnell und flexibel zu reagieren – und einfach zu wechseln oder eine Nachricht via SMS zu schreiben. Kurz anrufen ginge auch (so wie früher).

Eine halbe Milliarde Abhängige

Die WhatsApp Downtime zeigt, dass 450 Millionen Menschen von einem kleinen Computer-Programm abhängig sind und diese Software hat über einen Großteil dieser Menschen Macht. Diese Macht beruht hauptsächlich auf Bequemlichkeit und es ist eigentlich ein Leichtes, sich dem Einfluss von WhatsApp zu entziehen. Dennoch führt ein Ausfall dazu, dass manche Leute nicht mehr wissen, wie es ohne das Objekt der Begierde weitergehen soll.

Loslassen ist oft nicht einfach, das Gefühl kennt jeder aus eigener Erfahrung – auch ich. Doch auch ich weiß, dass es manchmal schlicht und ergreifend nicht anders geht. Loslassen kann helfen. Was aber der eigentliche Kern der Sache ist: Mit dem blinden Vertrauen und das Funktionieren einer App wie WhatsApp begibt man sich in die Abhängigkeit eines fremdbestimmten Systems. Man gibt Kontrolle aus der Hand und lässt sich Dinge aufoktroyieren. Man gibt sich selbst ein Stück auf, weil es Bequemlichkeit und Komfort verspricht.

Am Ende einer solchen Entwicklung steht dann der tragische Fall, den ich gestern vor allem bei Twitter in vielen Fällen beobachten konnte: Treue WhatsApp-User waren unfähig, selbst eine Lösung zu finden, statt dessen gab es Hilferufe. „Was soll ich jetzt tun?“ oder „Wie erreiche ich jetzt meine Freunde?“ konnte man da lesen. Man kann sich hier nur mit der Hand an den Kopf fassen, wie schnell ein kleines technisches Hilfsmittel es schafft, so viel Macht über Menschen zu bekommen, nur weil das Leben dadurch (vermeintlich) ein bisschen vereinfacht wird.

Fremdbestimmtes (Online) Marketing?

Ein Leben ohne reale fremdbestimmte Systeme ist vermutlich nicht möglich, da sollte man meiner Ansicht nach nicht auch noch dafür sorgen, sich in digitale Abhängigkeiten zu begeben, sofern das zu vermeiden ist. In diesem Zusammenhang aber besonders interessant ist meiner Meinung nach die Abhängigkeit von fremdbestimmten Systemen, auch wenn man im Online Marketing unterwegs ist. Diese Überlegung liegt für mich nahe, schließlich befasse ich mich jeden Tag mit dem digitalen Marketing im Internet.

Und ich bin auch nicht die einzige Person, die das mit der Abhängigkeit von fremdbestimmten Systemen erkannt hat. Viel wichtiger ist die Frage, wie man sich davon löst und wie man, bezogen auf das Online Marketing, dafür sorgt, dass die Downtime eines fremdbestimmten Systems nicht negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft hat. Bei WhatsApp waren 450 Millionen Menschen ein paar Stunden von der Kommunikation untereinander in einem bestimmten Kanal abgeschnitten. Na und? Es gab zu jedem Zeitpunkt Alternativen.

Kritischer wird es, wenn von dem Ausfall eines solchen fremdbestimmten Systems eigene Prozesse negativ beeinflusst werden. Wer hauptsächlich via Facebook Reichweite für seine Website generiert, hat ein Problem wenn Facebook eine Downtime hat oder die Fanpage (aus welchen Gründen auch immer) offline nimmt. Wer sein Budget mit Linkaufbau verbrät und dann von einem Google-Update getroffen wird, hat ein Problem. Und wer ausschließlich über AdWords wirbt, dann aber plötzlich den doppelten Preis für Anzeigen zahlen muss, der hat ebenfalls ein Problem.

Es kann nur ein Zentrum geben!

(Digitales) Marketing im frühen 21. Jahrhundert muss unabhängiger werden. Risikostreuung ist wichtig, auf einem Bein kann und sollte man nicht stehen. Wer hauptsächliche Traffic-Quellen hat, ohne die er nicht überleben kann, muss umsteuern. Und wer keine eigenen Communities direkt auf seiner Website aufbaut, wird sich niemals dem Würgegriff fremdbestimmter Systeme entziehen können. Was also kann man aus der Downtime von WhatsApp lernen? Soziale Netzwerke sind fremdbestimmte Systeme. Sind sie deswegen partout schlecht? Nein, man darf sich nur nicht auf sie verlassen, weil man sich in eine Abhängigkeit begibt, aus der man sich später nur schwer lösen kann.

Alle Mechanismen, Plattformen, Programme und Lösungen, die extern angeboten werden und die Reichweite der eigenen Website verbessern sollen, haben ihre Vorteile. Aber: Wenn man sich abhängig macht, kann man früher oder später Probleme bekommen. Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht am besten, selbst das fremdbestimmte System zu sein, selbst den größten Reichweiten-Hebel für die eigene Website darzustellen. Nur so kann man auch selbst steuern, lenken und kontrollieren. Nur so ist man selbstbestimmt und schützt sich vor wahllosen Änderungen in fremdbestimmten Systemen.

Sollte man diese fremdbestimmten Systeme deswegen generell vermeiden? Nein, auf keinen Fall. Man muss nur wissen, was man tut und man muss wissen, was diese Systeme tun können – und was nicht. Als Verstärker zum Beispiel für mehr Reichweite im (Online) Marketing eignen sie sich perfekt. Sie können aber immer nur Beiwerk sein und nicht der Kern und nie das Zentrum einer wirklich sinnvollen Strategie. Das kann nur die eigene Website sein.