Die Arbeit von Journalisten wird immer mobiler. Kaum vorstellbar, dass noch vor etwa 15 Jahren Recherchearbeit hauptsächlich darin bestand, das Telefon in die Hand zu nehmen oder andere Printmedien zu lesen. Jetzt geht es neben dem Einsatz von Suchmaschinen auch immer mehr darum, das Smartphone für die Beschaffung von Informationen einzusetzen und auch Social Media spielen eine immer größere Rolle. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vom Institut für Organisationskommunikation der Universität der Bundeswehr München durchgeführt und nun veröffentlicht wurde. Es ist die zweite Untersuchung zum Rechercheverhalten von Journalisten mit 850 Teilnehmern. Dazu wurden deutschlandweit 20.000 Journalisten in Form einer Querschnittsstudie online zu ihrem Nutzungsverhalten von mobilen Endgeräten, Recherchetools, sozialen Netzwerken und ihrer Rechercheroutine befragt. Doch wie genau kommen Journalisten an Ihre Informationen?

Studie: Journalisten lieben Suchmaschinen

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Fortsetzung des „Google Dilemmas“

Die Vorgängerstudie aus dem Jahr 2013 trug den Namen „Das Google Dilemma“ und bezog sich schwerpunktmäßig darauf, woher Journalisten ihre Informationen beziehen und wie sie ihr persönliches Verhältnis zu PR Mitarbeitern und Pressesprechern sehen.

In der neuen Studie aus dem Sommer dieses Jahres ging es zusätzlich um Fragen zu sozialen Netzwerken, Recherchetools und der Nutzung von mobilen Endgeräten. An oberster Stelle der Recherchequellen in 2015 stehen nach wie vor Suchmaschinen wie Google.

Eine zusätzliche Hauptaussage der Studie ist, dass Journalisten verstärkt Social Media und digitale Kommunikationskanäle nutzen, um mit der immer höheren Geschwindigkeit bei der Informationsgewinnung mithalten zu können.

Relevanz von Suchmaschinen ungebrochen

Im Vergleich zur Studie von 2013 hat die Bedeutung von Suchmaschinen wie Google um 15 Prozent zugenommen. Interessant dabei ist, dass ältere Journalisten Suchmaschinen zur Recherchearbeit weniger zur Hilfe nehmen als jüngere.

Bei der Altersgruppe der 26- bis 30-Jährigen lässt sich dagegen eine stark erhöhte Nutzung erkennen. Ganz neue Themen werden bei 47 Prozent der Befragten auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter erwartet.

24 Prozent der Befragten nutzen diese Informationsquellen mehrmals täglich, wogegen 45 Prozent sie weniger als einmal die Woche in Anspruch nehmen und nur 14 Prozent mindestens einmal täglich. Laut Studie liefert insbesondere Twitter Ereignisse, Meinungen und Informationen, auf Basis derer oft eine weitere Recherche erfolgt.

Deutlich mehr Recherche via YouTube

Nicht nur Twitter und Facebook zählen zu den bei Journalisten beliebten Quellen, auch YouTube und sogar Xing werden für die Recherche genutzt. Die Erwartungshaltung der Journalisten ist grundsätzlich hoch, wenn es um die Nutzung von Quellen geht.

Jeder zweite möchte auf Facebook und Co. neue Themen finden (47 Prozent) und mehr als ein Drittel will herausfinden, welche Resonanz die eigenen Veröffentlichungen bekommen. Bei jedem dritten Journalisten sind soziale (und berufliche) Netzwerke als Recherchequelle gefragt, denn die kommunikativen Möglichkeiten der Anwendungen im Internet kommen laut Studie der üblichen journalistischen Tätigkeit sehr entgegen.

Allerdings machen immer mehr Journalisten laut Studie Abstriche bei der Informationsbeschaffung. 2015 gaben 49 Prozent an, weniger Zeit für die Recherchearbeit zu haben als noch vor fünf Jahren und das zeigt sich auch bei Gegenrecherchen und weiterführender Informationsbeschaffung.