Es gibt Schlagzeilen, die liest man nicht gerne – oder wundert sich zumindest darüber. Der Titel dieser Meldung ist eine solche Schlagzeile und sie irritiert auf jeden Fall. Sollte es wirklich möglich sein, dass die beiden Traffic-Giganten Google und Facebook in der Gunst der Website-Besitzer gesunken sind? Eigentlich nur schwierig vorzustellen – wenn man aber nach den Zahlen aus meiner jüngsten Studie geht, dann ist genau das der Fall: Google und Facebook schicken nicht mehr so viel Traffic auf deutschsprachige Websites wie noch vor einem Jahr. Im September 2013 habe ich die gleiche Studie gemacht – mit der gleichen Frage und der gleichen Anordnung. Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später, hat sich die Situation verändert. Warum sich die Lage besonders für Google dramatisch zugespitzt hat, zeigt der folgende Artikel:

Studie: Google und Facebook für Website-Traffic weniger relevant

Studie: Google und Facebook für Website-Traffic weniger relevant

Google muss Federn lassen

Der Reihe nach: Wenn ich mir die einzelnen Traffic-Quellen vornehme, dann fällt auf, dass es teilweise zu deutlichen Schwankungen im Vergleich zu 2013 gekommen ist.

Auf der obigen Grafik ist das deutlich zu erkennen und vor allem beim Traffic aus der organischen Google-Suche gab es einen herben Rückgang zu verzeichnen. Gaben 2013 noch 81 Prozent aller Befragten an, dass sie Traffic aus der organischen Google-Suche auf die eigene Website bekommen würden, waren es 2014 nur noch 68 Prozent.

Glück für die organische Google-Suche, denn weil auch Facebook schwächelt, kann sie ihren ersten Platz verteidigen. Facebook fällt von 70 auf 63 Prozent.

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Überall Verluste, nur YouTube wächst leicht

Trotzdem doof für Google: Auch der Traffic, der via AdWords auf deutschsprachigen Website und Blogs landet, hat stark abgenommen. Statt 30 Prozent im letzten Jahr sind es 2014 nur noch 19 Prozent.

Insgesamt schickt Google damit 25 Prozent weniger Traffic auf externe Websites als noch 2013, rechnet man auch noch den leichten Rückgang bei Google+ dazu. Schlägt man das Plus bei YouTube wieder drauf, landet man bei 23 Prozent – immer noch sehr viel: Woran kann das liegen?

Bei der organischen Suche muss ich sofort an die immer stärkere Verdrängung der Suchergebnisse durch AdWords denken. Auf Smartphones ist die Lage besonders prekär, denn hier wird oft nur das erste organische Ergebnis angezeigt – wenn überhaupt.

Organische Suche auf dem Rückzug

Auch auf dem Desktop nehmen die bezahlten Suchergebnisse immer mehr Platz ein. Nachvollziehbar, schließlich will Google Geld verdienen.

Bei den Nutzerinnen und Nutzern aber scheint sich diese Taktik nicht zu bewähren, zumindest nicht in Hinblick auf den Traffic, der letztendlich auf externen Websites ankommt. Sei es nun aus der organischen Suche, via AdWords-Anzeigen oder von Google+: Es sieht nach dieser aktuellen Studie danach aus, als hätte Google ein Problem.

Der Rückgang von 7 Prozent beim Traffic, der von Facebook auf deutschsprachigen Websites und Blogs landet, ist da schon eher unproblematisch, wenn man das dicke 25-Prozent-Minus von Google gegenüberstellt. Bei Facebook kann das „Problem“ sogar haus- und vor allem absichtlich gemacht sein.

Ist der Facebook der Rückgang egal?

Facebook ist ein soziales Netzwerk und lebt davon, dass sich die User innerhalb dieses Netzwerks aufhalten – so lange wie möglich! Nur auf diese Weise steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch möglichst viel Werbung geklickt werden kann.

Ein leicht nachzuvollziehender Prozess: Je länger sich ein User auf einer bestimmten Website aufhält, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass dieser User dort mehr interagiert. Und „Interaktion“ kann auch ein Klick auf eine Werbeanzeige sein.

Zudem hat Facebook vor einigen Wochen begonnen, User gar nicht erst auf externe Websites zu schicken. Dafür werden diese Websites in einem internen Browser angezeigt, womit Chrome, Firefox und Co. gekonnt umgangen werden.

User sollen Facebook nicht mehr verlassen

Der Traffic kommt in diesem Fall zwar auf der Zielseite an, allerdings verlässt der User Facebook nicht wirklich. Ich frage mich, wann Facebook externe Websites in einem Frame anzeigt, um dann oben prominent Werbung anzuzeigen – aber ich will hier keine schlafenden Hunde wecken.

Wird Google also als Lieferant von Traffic wirklich weniger attraktiv? Das müsste gleichzeitig bedeuten, dass die Aktivität an sich im Google-Imperium abgenommen hat.

Weniger Suchanfragen also, die entsprechend zu weniger Klicks auf Suchergebnisse führen – und das gilt dann nicht nur für die organische Suche, sondern auch für AdWords-Anzeigen, denn auch das sind „Suchergebnisse“.

Xing hält sich wacker und wächst

Auf der anderen Seite ist es sehr interessant, dass Xing mit 6 Prozent Zuwachs einen deutlichen Sprung nach vorn machen konnte. LinkedIn dagegen ist von 7 auf 6 Prozent gefallen.

Nach wie vor scheint sich Xing also tapfer zu halten. Ich persönlich bin trotzdem der Meinung, dass es irgendwann in den kommenden 24 Monaten von LinkedIn geschluckt wird.

Die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Studie aber ist die Tatsache, dass E-Mail Marketing auf dem Vormarsch ist. Ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zu 2013 lässt aufhorchen und es sieht für mich danach aus, als würden immer mehr Webmaster begreifen, dass man sich nicht ausschließlich von fremdbestimmten Systemen abhängig machen darf.

Knapp 100 Prozent Plus beim direkten Traffic

Das dicke Plus beim Traffic, der aus Newslettern auf deutschsprachige Websites und Blogs kommt, ist allerdings noch gar nichts im Vergleich zum direkten Traffic. Hier gab es 2014 im Vergleich zu 2013 einen unglaublichen Zuwachs von 32 Prozent, was fast einer Verdopplung entspricht.

Direkter Traffic entsteht, wenn die User eine Internetadresse direkt in den Browser eingeben oder eine Website in den lokalen Bookmarks des eigenen Browsers gespeichert haben. Im Rahmen meiner Studie gehören auch Verweise von anderen Websites – also Besucher via Backlinks – zu diesem direkten Traffic.

Es lässt sich offensichtlich beobachten, dass auch hier viele Webmaster einen neuen Weg gehen und sich von Google, Facebook und Co. unabhängiger machen wollen. Sicher ist: Wer viel direkten Traffic auf der eigenen Website hat, der muss sich weniger Gedanken um eine Abstrafung seitens Google (berechtigt oder unberechtigt) machen und auch nicht zittern, wenn die Facebook Page aufgrund tatsächlich vorliegender oder versehentlicher Verstöße geschlossen wird.

Fazit

Für meine Studie habe ich 1.218 User befragt, selbstverständlich männlich und weiblich. Bei meinen jeweiligen Seedings habe ich darauf geachtet, die Verteiler ausreichend zu streuen, so dass es nicht zu einseitigen Verteilungen kommen konnte.

Stattgefunden hat die Befragung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen dem 23.10.2014 und dem 9.11.2014 – eine längere Ausweitung war aufgrund der Anzahl der teilnehmenden Personen nicht notwendig.

Über das Ergebnis war ich selbst überrascht, weil ich eine solch deutliche Entwicklung nicht vermutet hatte. Aktuell sieht es so aus, als würde Google ein Problem haben, Facebook hat sich möglicherweise absichtlich selbst in die aktuelle Situation gebracht – dass vor allem via Newsletter und per direktem Traffic mehr Leute auf deutschsprachigen Websites und Blogs landen, freut mich persönlich, ob es aber ein sich manifestierender Trend ist muss die nächste Studie im Herbst kommenden Jahres zeigen.