Mit einer App den Inhalt des Fernsehprogramms bestimmen? Klingt utopisch? Nicht ganz. Zumindest wurde diese Idee in einem Versuchsballon im Bayerischen Fernsehen gestern getestet. Die „Rundshow“ ging gestern erstmals online, Kopf hinter dem Social-TV-Projekt ist Journalist und Blogger Richard Gutjahr. Mit der neuen „Rundshow“ soll Fernsehen und Internet miteinander kombiniert werden. Als „Zuschauer“ hat man direkten Einfluss, denn man kann die Inhalte der Show über diverse soziale Kanäle befeuern.

24 Stunden „Sendezeit“

Im Unterschied zum üblichen Format mit 30 Minuten Sendedauer ist die „Rundshow“ 24 Stunden lang zu empfangen, natürlich nicht am Bildschirm. Die „Rundshow“ geht im Web weiter mit allem, was sich währenddessen im Netzwerk bewegt. Gesellschaft, Netzpolitik und Popkultur sind einige der möglichen Themen des Social-TV-Experiments.

App „Die Macht“ macht’s möglich

Die Sendung funktioniert mit Hilfe der App „Die Macht“ – programmbegleitend, eine Art Fernbedienung mit Selbstbestimmungsfunktion. Mit ihr kann man live kommentieren und an Abstimmungen teilnehmen, zustimmen oder ablehnen, liken oder disliken. Gibt es zum Beispiel viele „Daumen hoch“-Symbole, die das interaktive Publikum via App zur „Rundshow“ geschickt hat, wird Applaus im Studio eingespielt – Social TV eben.

Die „Rundshow“ sendet natürlich im TV – dazu kommen zahlreiche Webkanäle, wobei Google+ einen Schwerpunkt darstellt (Interviews werden zum Beispiel via Google+ Hangout durchgeführt). So kann sich ein Nutzer zuschalten, es gibt einen Stream der Redaktionskonferenz und Einspieler sollen Diskussionen auf den sozialen Netzwerken anregen (auch für Twitter und Facebook beispielsweise). Sendebeiträge sind auch auf Youtube zu finden, eine ganz und gar netzfähige Show, die unabhängig von Einschaltquoten funktionieren kann.

Quotenunabhängig

Die Sendezeit kann sich als günstig erweisen. In den späten Abendstunden tummeln sich mehr aktive Netzwerker als zur Primetime um kurz nach 20 Uhr. Laut Plan soll die „Rundshow“ immer um 23 Uhr auf Sendung gehen.

Gerade für den Bayerischen Rundfunk ist das ein großes Experiment. Die durchschnittlichen Zuschauer sind die ältesten im deutschen Fernsehen und nicht unbedingt die passende Zielgruppe. Wenn das Konzept im allgemeinen aufgeht, ist der Sendeplatz letztendlich zweitrangig, da es ohnehin zum größten Teil eine Netzwerksendung wird und es „On Air“ nur die ersten Impulse gibt.

Dass die „Rundshow“ ohne Quotendruck arbeiten kann, dürfte ein enormer Vorteil sein. Am Thema „Social TV“ mit aktiver Beteiligung hat sich zuletzt Thomas Gottschalk in seiner Sendung „Gottschalk live“ versucht. Erfolgreich war er nicht, die Quote war zu gering und das Format wird in Kürze eingestellt. Die „Rundshow“ hat wie gesagt keinen Druck, ist aber zunächst auch nur auf 16 Sendungen ausgelegt.