Immer wieder und bisweilen hartnäckig hält sich die Mär vom permagoogelnden Personaler, der zum Online-Stalker aller Bewerber auf Facebook, Xing oder Linkedin wird. Bullshit. Dafür fehlt den meisten Personalern schlicht die Zeit. Erst recht wenn es mehr als 1000 Bewerbungen auf eine offene Stelle gibt, wie das bei den beliebtesten Arbeitgebern à la Audi, BMW oder Google durchaus regelmäßig vorkommt. Trotzdem ist es richtig, dass Online-Profile und die digitale Reputation im Netz für Bewerbung und Karriere immer wichtiger werden. Aber wie passt das zusammen?

Social Recruiting: Gibt es den permagoogelnden Personaler?

Ein Gastbeitrag von Karriereexperte Jochen Mai

Entscheidend hierfür sind zwei Zusammenhänge:

  1. Ein zuweilen unterschätzter Arbeitsmarkt
  2. und ein Missverständnis.

Es wäre falsch zu glauben, dass Personaler alle Kandidaten einem Online-Check unterziehen. Aber wenn Sie Bewerber soweit vorausgewählt haben, dass nur noch, sagen wir, drei Kandidaten für eine Position im Rennen sind, dann ist sowohl Zeit als auch genug Neugier da, sich im Internet umzusehen, was man dort über den jeweiligen Bewerber finden kann.

Allerdings ist dies weniger Stalking als vielmehr eine Art Hygienetest. Es geht weniger darum ein digitales Profil zu erstellen, als sich vielmehr vor negativen Überraschungen zu schützen. Und es geht darum, den bisherigen Eindruck noch einmal abzurunden und zu vervollständigen.

Der zweite Punkt ist aber wesentlich entscheidender: Längst nicht alle vakanten Stellen werden heute offiziell ausgeschrieben. Das sind sogar die wenigsten – jedenfalls bei den richtig attraktiven Positionen. Der sogenannte verdeckte oder graue Arbeitsmarkt hat nicht das Problem, dass sich 1000 arbeitsuchende Bewerber um eine Stelle bemühen. Hier bemühen sich Arbeitgeber oder Headhunter eher darum, die Bestbesetzung und namhafte Spezialisten irgendwo anders abzuwerben.

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Spätestens hier wird die Online-Reputation und das digitale Profil zum entscheidenden Karriereturbo. Denn solche Top-Talente und -Experten lassen sich vornehmlich über zwei Wege finden:

  • Mundpropaganda.
  • Das Internet.

Business-Netzwerke immer noch erste Adresse

Die sogenannten Business-Netzwerke – Xing und Linkedin – sind dazu in den meisten Fällen noch immer die erste Anlaufstelle. das heißt für alle, die dort gefunden werden wollen:

  1. Halten Sie Ihr Profil stets aktuell.
  2. Füllen Sie Ihr Profil unbedingt vollständig aus. Lücken machen einen schlampigen Eindruck.
  3. Achten Sie auf ein ansprechendes, professionelles Foto, und schauen Sie immer in die Seite „rein“. Steht das Foto beispielsweise links, geht der Blick entweder geradeaus oder nach rechts.
  4. Pflegen Sie den Subtext Ihres Profils. Das gilt vor allem für die sichtbaren Kontakte. Wenn Sie kennen (oder nicht), sagt viel über die tatsächliche Vernetzung, vor allem die mit anderen namhaften Spezialisten.

Und natürlich sollte man nicht vergessen, das Häkchen zu setzen, dass dieses Profil auch von Suchmaschinen indexiert werden kann.

Ist Facebook wirklich noch privat?

Aber was ist mit den anderen sozialen Netzwerken wie Twitter, Google+ und vor allem Facebook? Längst ist es so, dass Personaler auch hierüber offene Stellen ausschreiben – per Tweet, per Link oder gleich mittels einer ganzen Karriereseite auf Facebook. Nicht nur aber auch dadurch haben Sie den Charakter eines reinen Privatzirkels längst verloren.

Hinzu kommt die Weiterentwicklung der Netzwerke selbst: Anfang des Jahres stellte Facebook auf einer Pressekonferenz seine neue Suchfunktion Facebook Graph vor, die nach und nach immer mehr Nutzern zur Verfügung steht. Für Recruiter und Headhunter ist es damit künftig ein Leichtes, „Programmierer aus München, die sich für CSS interessieren“ zu finden – vorausgesetzt, die haben ihre Privatsphäre-Einstellungen entsprechend geöffnet.

Das heißt im Umkehrschluss: Wer gefunden werden will, sollte sein Profil dort durch passende Schlüssel- und potenzielle Suchbegriffe aufwerten.

Aber auch eine weitere, wenn auch alte, Entwicklung holt Facebook aus dem Privatstatus: Schon Anfang der Siebzigerjahre entdeckte Mark Granovetter den Einfluss der sogenannten „weak ties“, der losen Verbindungen, auf die Berufslaufbahn. Es waren nicht die engsten Freunde, die seinen Probanden zum neuen Job oder bei der Karriere verhalfen, sondern die Freunde der Freund der Freunde. Also Menschen, die man vermutlich gar nicht mal richtig kennt.

Weil aber gerade Netzwerke wie Twitter, Google+ und Facebook darauf basieren, dass private Freunde Informationen mit ihren Kreisen teilen, sharen, retweeten, erreichen diese binnen weniger Klicks eben auch Menschen, die man bis dato gar nicht auf seinem Radar hatte (und umgekehrt). Die Kunde, dass man selbst gerade einen neuen Job sucht oder auch der Artikel über eine interessante Entwicklung des Marktes oder eine Innovation schafft es so auch auf Facebook in den Laptop eines Personalentscheiders, der gerade über eine gut dotierte Besetzung sinniert.

Bloggen – vor allem suchmaschinenfreundlich

Aber auch eine weiter Form des Social Recruitings feiert in jüngster Zeit zunehmend Erfolg: Die Bewerbung per Blog.

Das muss gar nicht mal so offensiv und direkt erfolgen, dass derjenige in seinem Blog darüber schreibt, dass er oder sie gerade eine neue berufliche Herausforderung sucht. Vielmehr fungiert das Blog selbst als eine Art subtile Initiativbewerbung. Eine konkrete Stelle, auf die man sich bewirbt, gibt es nicht. Dafür positioniert sich der Autor permanent als gut vernetzter Spezialist für sein Thema, dokumentiert Fach- und Branchenkenntnisse sowie Kommunikationsstärke und Engagement.

Neben echter Leidenschaft für sein Thema (und etwas Schreibtalent) ist dann allerdings noch wichtig, zu antizipieren, wonach künftige Arbeitgeber oder Personaler suchen könnten, wenn sie jemanden suchen wie den Autor: Welche Suchbegriffe würden Sie dazu ganz plump bei Google & co. eingeben?

Es läuft bei dieser Form der Bewerbung also darauf hinaus, entsprechende Keywords und relevante Suchbegriffe, zu identifizieren und diese mit einer gewissen Häufigkeit im Text und der Überschrift einzubauen, damit diese später und der Autor eben auch gefunden werden.

Für Blogger mit Bewerbungsplänen heißt das konkret:

  • Fokussieren Sie Ihre Beiträge klar auf Ihr jeweilges Spezialgebiet.
  • Wählen Sie den Namen und die Domain des Blogs dazu passend (Keyword!)
  • Publizieren Sie regelmäßig Beiträge (zwei Mal pro Woche sollte es schon sein)
  • Und verlinken und kommentieren Sie stets aktuell neue Entwicklungen und Trends.
  • Verlinken Sie Ihr Blog auf allen eigenen Social Media Profilen.
  • Vergessen Sie dabei aber auch andere artverwandte Blogs und Foren nicht.
  • Richten Sie auf dem Blog einen „Über mich“-Bereich ein, in dem beispielsweise auch Ihr Lebenslauf und wichtige Kontaktdaten enthalten sind.

Und ganz wichtig: Beginnen Sie frühzeitig damit. Eine Online-Reputation und einen entsprechenden Verlinkungsgrad aufzubauen, braucht seine Zeit. Im Schnitt mindestens ein halbes Jahr. Das ist also nichts für Schnellschüsse. Dafür hält es womöglich eine Karriere lang. Die Investition lohnt sich also so oder so.

Video zur aktiven und passiven Jobsuche im Internet

Über den Autor

Jochen MaiJochen Mai zählt zu den einflussreichen Namen des Social Webs. Seine Karriere begann der 44-jährige Diplom-Volkswirt bei der WirtschaftsWoche, wo er mehr als zehn Jahre lang das Ressort „Management + Erfolg“ leitete. Bekannt wurde er vor allem aber als Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel, einem der führenden Job-Blogs in Deutschland mit zahlreichen Bewerbungstipps. Mai schrieb zudem einige Bestseller und ist heute unter anderem Dozent an der Fachhochschule Köln für das Fach Social Media Marketing sowie gefragter Keynote-Speaker für die Themen Social Media, Online-Reputation und Human Ressources.