„Dirk Müller – Mr. Dax wurde der Mund verboten, Verschwörungskeule wird geschwungen“! Solche und ähnliche Meldungen kursieren immer wieder im Internet. Verschwörungstheorien machen häufig die Runde und Facebook scheint dafür die ideale Verbreitungs-Plattform zu sein. Eine Falschmeldung reicht und schon ist die weltweite Verbreitung kaum mehr aufzuhalten. So wird aus einer Kurzmeldung schnell mal eine handfeste Verschwörungstheorie, zu der jeder Nutzer seine eigene Meinung hat. Aber warum kommt es eigentlich dazu? Walter Quattrociocchi von der Northeastern Universität in Boston hat sich dieser Problematik in einer Studie angenommen und erfasst, wie die User mit falschen Postings auf Facebook umgehen.

So entstehen Verschwörungstheorien auf Facebook

Über eine Millionen Nutzer

Quattrociocchi beschäftigt sich seit einiger Zeit mit diesem Phänomen in den sozialen Netzwerken und Facebook hat er nun zum Gegenstand seiner Studie gemacht. Aktuell hat er eine Auflistung zusammengestellt von Posts, mit denen die Nutzer bewusst oder unbewusst „falsch“ umgehen. Bei über eine Million Usern hat er das untersucht – vorwiegend Menschen, die sich mit politischen Inhalten beschäftigen.

Aufhänger war eine Geschichte aus dem italienischen Wahlkampf, verbreitet die ursprüngliche Meldung von einer Satireseite. Es ging um den italienischen Senat, der mit 257 zu 165 Stimmen ein von einem Senator vorgeschlagenes Gesetz annahm. Politiker sollten demnach 134 Milliarden Euro bekommen, damit sie im Falle einer Wahlniederlage neue Jobs finden.

Die Nachricht an sich klingt schon nicht ganz koscher, wurde aber dennoch von vielen Usern einfach so übernommen, ohne sich wirklich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen. Doch wie genau gehen die User im Einzelnen mit solchen Meldungen um, wie werden sie verbreitet und wie wird über sie diskutiert? Die Analyse beschäftigte sich zudem auch mit der Länge der Diskussion.

Falschmeldungen werden intensiver diskutiert

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Das Ergebnis: Unabhängig von der Quelle (ob Boulevardpresse oder investigativ) war die Zeitspanne meistens identisch und auch die Debatten waren ähnlich. Die „Verschwörung“ entwickelt sich also oft gleich. Quattrociocchi und sein Team fanden heraus, dass falsche Meldungen insgesamt intensiver diskutiert werden als andere. Zugrunde gelegt wurde die Auswertung der Menschen, die sich an den Diskussionen beteiligten.

Wer seine Infos aus alternativen Quellen speist und diese kommentiert, unterhält sich vermutlich auch über vermeintliche „Enten“. Dabei meiden viele Nutzer die Massenmedien und suchen auf anderen Seiten nach Informationen und sind dort dann empfänglicher für Falschmeldungen, weil sie den üblichen Seiten im Netz nicht vertrauen, ist sich Quattrociocchi sicher. Und nicht selten ist eine satirische Seite die Quelle. Bei uns in Deutschland ist „Der Postillon“ ein sehr gutes Beispiel.

Auch dabei handelt es sich um eine (inzwischen sehr große) Satire-Website, die einen beispiellosen Trend losgetreten hat. In den letzten Monaten sind schon einige große Websites auf die satirischen Falschmeldungen von „Der Postillon“ reingefallen und haben diese „Nachrichten“ teilweise in unverändertem Wortlaut übernommen.

Facebook großer Inkubator für Verschwörungen

Aus solchen Falschmeldungen können dann sehr oft Verschwörungstheorien entstehen. Facebook ist dank seiner hohen Reichweite ein optimales Werkzeug zur Verbreitung. Viele User prüfen die Nachricht nicht und klicken einfach nur instinktiv auf „Teilen“, wenn sie davon augenscheinlich überzeugt sind, dass der Inhalt in irgendeiner Form „spektakulär“ ist. Seiten wie „Der Postillon“ funktionieren deshalb auf Facebook besonders gut.

Andere soziale Netzwerke sind für diese Entwicklungen aber ebenfalls empfänglich. So können sich Verschwörungen auch via Twitter oder Instagram verbreiten. Entscheidend für den „Erfolg“ solcher Meldungen ist immer, dass eine kritische Masse erreicht wird. Nach wie vor sind viele User von sozialen Netzwerken „nur“ passive Leserinnen und Leser, die selbst nicht aktiv zur Verbreitung beitragen.

Selbstverständlich kann man hier die Frage nach dem Zustand der Medienkompetenz stellen, wenn man sich auch die User bezieht, die Inhalte ungeprüft weitergeben. Andererseits ist es schwierig, alle im Internet veröffentlichten Inhalte tatsächlich auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und das gilt natürlich auch für Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, die seit jeher „offline“, also außerhalb des Internets erscheinen.