Gleich vorweg: Facebook hat meiner Ansicht nach kein Problem mit Teenagern und weil ich mir immer aktuelle Zahlen anschaue, entspricht es auch nicht den Tatsachen, dass es einen „Teenie-Exodus“ bei Facebook gibt. Facebook wird heute anders als noch vor einigen Jahren genutzt und die Zielgruppe der 13- bis 17-Jährigen entdeckt immer stärker ein zusätzliches Medium, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben: Snapchat, der „Instant Messenger“, den Facebook kaufen wollte, aber abblitzte (das gilt übrigens auch für Google). Und in der Tat ist Snapchat bei Teenagern schon beliebt, das lässt sich aus kürzlich veröffentlichten Zahlen schließen. Das liegt zum großen Teil aber daran, dass Snapchat eine komplett andere User Experience bietet als Facebook. Was aber sind die weiteren Gründe für diesen Erfolg?

Snapchat ist bei reichen Teenagern beliebter als Facebook

Bild: focal point, Shutterstock.com

Snapchat schweigt sich über Reichweite aus

Snapchat selbst gibt keine Zahlen zur Nutzung der eigenen Plattform heraus, was bedauerlich ist. Es hinterlässt meiner Ansicht nach immer einen faden Beigeschmack, wenn Unternehmen nicht bereit sind, sich zumindest was die Reichweite angeht in die Karten schauen zu lassen.

Meist lässt das darauf schließen, dass die Reichweite nicht so imposant ist – andernfalls wäre es ja kein Thema, solche „guten Zahlen“ zu veröffentlichen. Außerdem erinnert mich diese Vorgehensweise immer sehr stark an Google+: Dort wurde auch immer mit offiziellen Zahlen hinterm Berg gehalten (was der Plattform letztendlich nicht genutzt zu haben scheint).

Laut aktueller Studie ist Facebook noch immer am beliebtesten

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Laut aktueller Studie ist Facebook noch immer am beliebtesten

Zum Glück gibt es aber andere Unternehmen, die sich regelmäßig darum kümmern, dass solche Zahlen dennoch veröffentlicht werden – oder zumindest Zahlen, aus denen sich schließen lässt, wie es um das Wachstum bestellt ist. Eine solche Firma ist das Marktforschungsunternehmen Pew Internet, dass in den USA (und gern auch weltweit) immer wieder Umfragen macht und daraus spannende Studien bastelt.

Snapchat Top 3 bei Teenagern

So auch in diesem Fall: Snapchat hat nach Erhebungen von Pew weltweit mehr als 200 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. Das ist natürlich eher übersichtlich im Vergleich zu Facebook, aber auch nur halb so viel wie Instagram – und mit Twitter ist Snapchat damit schon fast auf Augenhöhe.

Wir alle wissen es von Facebook, wo die reine Zahl der Fans letztendlich nichts zu sagen hat: Es geht eher darum, wie viele User wirklich aktiv sind und bei diesen Usern auch noch darum, in welcher Intensität sie aktiv sind. Denn nur die deutlich aktiveren Nutzerinnen und Nutzer sorgen letztendlich dafür, dass ein soziales Netzwerk auch populär wird und somit von anderen entdeckt werden kann.

Teenager mit mehr Geld bevorzugen eher Snapchat

Teenager mit mehr Geld bevorzugen eher Snapchat

Und genau hier scheint Snapchat laut Studie einen extremen Vorteil zu haben, denn die Nutzerinnen und Nutzer von Snapchat sind offensichtlich sehr mit dem Netzwerk verbunden. Das lässt darauf schließen, dass es bei Snapchat wohl auch darum geht, sich von anderen Netzwerken, die bereits etabliert sind, abzugrenzen.

Facebook und Instagram sind beliebter

Snapchat ist laut Umfrage das drittbeliebteste Social Network bei den 13- bis 17-Jährigen. Noch populärer sind nur Instagram und Facebook – und für 11 Prozent der Teenager ist Snapchat sogar am wichtigsten (20 Prozent sagen das über Instagram, 41 Prozent über Facebook).

Hätte Facebook also Erfolg mit seinem Kaufangebot gehabt, dann würde man schon heute alle bei den Teenagern beliebten sozialen Netzwerke kontrollieren. Trostpflaster für Facebook: Auch die jungen Nutzerinnen und Nutzer zwischen 13 und 17 Jahren, die Facebook nicht als Nummer-1-Netzwerk ansehen, sind dort trotzdem aktiv – nur eben nicht hauptsächlich.

An der Behauptung, dass Teenager also Facebook komplett den Rücken kehren, ist nicht viel dran. Zwar stimmt es, dass Facebook (bei einigen von ihnen) in der Gunst gesunken ist – das bedeutet aber nicht, dass Facebook überhaupt keine Rolle mehr spielt und es sieht auch nicht danach aus, dass Facebook diese Teenager komplett an Snapchat verliert.

Ist Snapchat elitär?

Besonders interessant an der Studie: Jugendliche mit weniger Einkommen nutzen mehr Facebook, bei Teenagern, die mehr Geld zur Verfügung haben, steht Snapchat höher im Kurs. Für mich eine faszinierende Erkenntnis, die mich auf ein paar interessante Gedanken bringt…

Snapchat ist wie Instagram auch ein mobiles Netzwerk. Man braucht für die Nutzung auf jeden Fall ein Smartphone und einen mobilen Datentarif, wenn man von unterwegs posten will: Gibt es hier also eine natürliche „Geldbarriere“, an der Teenager mit weniger Geld scheitern, weil sie wegen zu hoher Kosten nicht teilnehmen können?

Oder liegt es daran, dass auch auf Snapchat gern und viel Bilder gezeigt werden, bei denen auch hochpreisige Gegenstände die Hauptrolle spielen? Das könnte dazu führen, dass Teenager mit weniger „Einkommen“ selbst keinen Content produzieren können, der für viele Abrufe sorgt – eine Benachteiligung also für Jugendliche, die weniger Geld zur Verfügung haben?

Fazit

Nur ein Gedankenspiel, es kann auch andere Ursachen haben. Fakt ist, dass sich Snapchat über die „Einkommensstruktur“ freuen dürfte, schließlich ist es so eher möglich, mit der Plattform Geld zu verdienen.

Wenn es mehr User gibt, die mehr Geld zu Verfügung haben, dann könnten diese User auch besser monetarisiert werden. Das erste „Sponsored Video“ auf Snapchat lief im Herbst 2014 und das neue „Discover“-Netzwerk wurde nur für den Zweck gestartet, um es Firmen zu ermöglichen, eigene Inhalte redaktionell auf Snapchat zu bewerben.

Letztendlich hat Snapchat also das gleiche „Problem“ wie Facebook und alle anderen: Man will/muss Geld verdienen. Und auch wenn Snapchat aktuell 15 Milliarden US-Dollar wert sein soll, muss sich noch zeigen, ob es wirklich möglich ist, damit Geld zu verdienen.