Es ist und bleibt ein Dauerthema: Das Internet als Datenkrake. Egal ob Facebook oder Google, Datenschützer bleiben nervös. Niemand scheint an der Tatsache vorbeizukommen, im weltweiten Netz gläserner Kunde und Nutzer zu werden – oder schon zu sein. Da überraschen auch neue Meldungen über Datensammlungen nicht wirklich, allerdings geht es nicht mehr um die klassischen Anwendungen, wie zum Beispiel einen Browser am heimischen PC. Mit der fortschreitenden Vernetzung immer neuer Geräte mit dem WLAN daheim wird es leichter, mehr Daten einzusammeln und so noch bessere Profile von deren Nutzerinnen und Nutzern zu erzeugen. Und so ist es nur allzu klar, dass auch SmartTVs Daten ihrer User sammeln, um so noch besser auf deren Bedürfnisse eingehen zu können. Die Vorgehensweise ist dabei ganz einfach, wenn man als „Zuschauer“ die Nutzungsbedingungen akzeptiert.

Smart TVs sammeln und verschicken persönliche Daten

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Deaktivierungsfunktion nur schwer auffindbar

Wurden diese Nutzungsbedingungen akzeptiert, werden unter anderem die konsumierten Inhalte getrackt. Wer sich die Mühe macht und sich ausführlich mit der Bediendung von SmartTVs auseinandersetzt, wird aber auch auf eine Deaktivierungsfunktion stoßen.

Um sie zu finden, muss man jedoch aufmerksam suchen. Die Funktion heißt „Collecting Watching Info“ und wird bei SmartTVs von LG eingesetzt. In der Werkeinstellung ist diese natürlich aktiviert. Es fehlt aber der Hinweis, was es damit genau auf sich hat und welche Daten nun wirklich gesammelt werden. Und so lässt sich auch nicht herausfinden, welchen Nutzen es hat, die Funktion überhaupt abzustellen.

Jedes Zappen, jeder Wechsel in ein anderes Programm und viele andere Nutzertätigkeiten werden registriert. SmartTV-Hersteller LG erhält dann automatisch vom Gerät die Information, was genau geschaut wurde, wie lange, wo abgebrochen wurde, etc. – unverschlüsselt, wohlgemerkt. Das ist dann der so genannte „Unique Device Identifier“.

Personalisierte Werbung: Fluch oder Segen?

LG könnte die Daten zum Anzeigen von Zusatzinfos nutzen. Es ist aber auch naheliegend, dass LG die Daten braucht, um letztendliche personalisierte Werbung zeigen zu können. Hier schließt sich der Kreis. Ganz egal, wer Daten sammelt, ob Facebook oder andere Netzwerkanbieter oder Hersteller: In der Außendarstellung passiert das immer nur zum Wohl der Kunden, damit das Konsumieren von Inhalten besser und attraktiver wird. Das Thema SmartTV hat bei uns noch nicht den Durchbruch geschafft.

Die aktuelle Entwicklung bei der Firma LG zeigt aber, was technisch schon möglich ist. Bei allen Bedenken darf man die Vorteil aber in der Tat nicht einfach so links liegen lassen. Natürlich muss man als Konsument die Wahl haben, ob ein Gerät Daten sammelt und verschicken darf oder nicht. Man muss also „abschalten“ können. Wer das nicht tut, kann aber durchaus profitieren. Denn personalisierte Werbung könnte vor allem für das TV die größte Chance der letzten 50 Jahre sein.

Wenn nur ein Bruchteil der aktuell ausgestrahlten Werbung sinnvoller wäre, weil sie besser zur jeweiligen Zielgruppe passt, könnten die Anbieter von Inhalten im TV deutlich mehr Geld verdienen. Werbung im TV geschieht wie im Print-Bereich derzeit größtenteils im Blindflug. Echte Messungen nach Interessen sind so gut wie unmöglich und was an Daten erhoben wird, ist allenfalls mit Näherungs- und Durchschnittswerten zu vergleichen. Das muss besser werden.