Mario Fischer, besser bekannt als „Mr. Website Boosting“ stellt sich meiner Interviewreihe „7 Fragen an…“. Einer wie er darf natürlich nicht fehlen, wenn es um einflussreiche Persönlichkeiten im Bereich Online Marketing geht. Denn mal ehrlich: Wer kennt sie nicht, die „Website Boosting“ und hat sie nicht mindestens schon ein Mal gelesen – oder zumindest davon gehört? Wie kein anderer verbindet Mario Fischer den wissenschaftlichen Ansatz einer universitären Ausbildung mit den komplexen Anforderungen des digitalen Marketings. Logisch, dass sich eine solche Person als Interviewparter hervorragend eignet. Deshalb auch keine weitere Einleitung, sondern direkt in das Interview mit Mario Fischer…

Mario Fischer

Mario Fischer ist Professor und Herausgeber der „Website Boosting“

Mario, stell dich bitte kurz vor:

Mario Fischer:

Okay, ganz kurz… ich bin Professor für E-Commerce an der FH Würzburg, Herausgeber der Fachzeitschrift Website Boosting und berate Unternehmen aller Größen und (bisher fast) aller Branchen.

1. Du bist schon seit Jahren für die Website Boosting verantwortlich. Was ist der Reiz daran, ein Printmagazin für die digitale Branche zu gründen und erfolgreich zu machen?

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Mario Fischer:

Es macht eine Menge Spaß, so ein Magazin zu gestalten und zum Erfolg zu führen und die Frage, „warum nicht digital?“ bekomme ich sehr häufig gestellt. Die Antwort ist vielschichtig, hier nur die wichtigsten Gründe. Vielleicht die wichtigste gleich als Frage: Wie viele (fremde) Dokumente hast Du auf Deinem Rechner oder in einem Archiv, die Du im Lauf der letzten Jahre irgendwo heruntergeladen hast? Wie viele davon hast Du nie mehr angeschaut? Ich hab bei mir sicher weit über 3.000 solcher Leichen digital rumliegen. Und das ist sehr schade, weil da überall viel Know-how und Interessantes verbuddelt ist. Als die ersten Magazine digital kamen, hab ich natürlich auch damit herum experimentiert. Aber was ich nicht sofort lese, bleibt liegen und gerät in Vergessenheit.

Irgendwann hab ich dann all diese digitalen Abos wieder gekündigt. Ein gedrucktes Magazin zu lesen, ist trotzdem noch ein anderes Erlebnis. Und es liegt auf meinen Schreibtisch und ich nehme es oft mehrmals zu Hand, bis ich alles gelesen habe, was mich interessiert. Einige Zeitschriften, z. Bsp. Fotomagazine archiviere ich im Schrank. Dazu kommt, dass ich sehr viel Zeit vor Bildschirmen verbringen und nicht auch noch darauf lesen möchte. Das mache ich in Ruhe und offline. Ich bekomme sehr viel positives Feedback von Lesern, die auch genau das schätzen. Ein gedrucktes Magazin kann man überall lesen. Natürlich kommt noch ein weiterer Faktor dazu. Unsere Kernleser kennen sich sehr gut mit IT aus.

Ich bin nicht sicher, wie sich die Herausgabe eines Hefts in leicht kopier- und weitergebbarer Form langfristig auf die Abozahlen auswirken würden. Es ist eine Sache, einen Focus oder ein Magazin für Landwirtschaftsmaschinen z. Bsp. als PDF zu verbreiten. Ob es aber gut ist, das auch an eine zum Teil bestens vernetzte Community zu tun? Der Hauptgrund ist aber tatsächlich die Überzeugung, dass die meisten Leser ein anfassbares Magazin noch immer schätzen. Noch sind wir Menschen eher haptische Wesen…

2. Wie bist du als Wissenschaftler dazu gekommen, dich ausgerechnet mit Online Marketing so intensiv zu befassen?

Mario Fischer:

Das war ein logischer Schluss, der bereits vor fast 20 Jahren passiert ist. Über die Wirtschaftsinformatik bin ich recht bald ins Web vorgestoßen. Der Aufbau von Websites und ganz schnell auch das Thema Trafficsteuerung hat mich dann fasziniert. Noch in Zeiten vor Google habe ich mich dann mit Online Marketing und vor allem Suchmaschinen beschäftigt und Unternehmen geholfen, dort besser gefunden zu werden. Nachdem mit Google dann später immer mehr Traffic kam, wurde mir schnell klar, dass Online Marketing und ein Teil des Erfolgs im Web begründet.

Der andere lag und liegt in der Gestaltung von Webseiten und deren Benutzerfreundlichkeit. Da kam ich dann auch auf die Idee, ein Buch zu schreiben, dass nicht nur Teildisziplinen beleuchet, sondern möglichst alles, was zum Erfolg nötig ist. So entstand das Buch „Website Boosting“, das glaube ich bis heute in den beiden Auflagen das in Summe meist verkaufte Fachbuch im Bereich Web ist. Als ich 1998 als Professor an die Hochschule berufen wurde, durfte ich dort recht schnell einen eigenen Studiengang aufbauen – zunächst Wirtschaftsinformatik. Dort hab ich dann in den höheren Semestern einen wählbaren Schwerpunkt „E-Commerce“ gegründet. Das lief super und die Absolventen hat man uns aus den Händen gerissen.

Vor ca. 5 Jahren hatte ich dann die Chance, einen neuen, spezialisierten Bachelor-Studiengang „E-Commerce“ zu etablieren. Naja, so haben die Dinge dann ihren Lauf genommen. Wir versuchen den Studierenden nicht nur das Doing beizubringen, sondern eben auch die Mechanismen und die Theorie dahinter. Akademiker sollen ja auch immer tiefer und hinter funktionierende Dinge blicken und von konkreten Lösungsprinzipien abstrahieren können. Zu wissen, dass etwas funktioniert und wie man es machen muss ist das eine, eine andere Sache ist, auch zu wissen, warum etwas funktioniert.

3. Es gibt ja auch das Buch „Website Boosting“ und es ist eines der Standardwerke im Online Marketing. Wie hast du davon bisher profitiert, Autor eines so wichtigen Buchs zu sein?

Mario Fischer:

Das Buch hat ziemlich eingeschlagen und war jahrelang auf Platz 1 in der Kategorie Web und Internet. Der Markt hat offenbar genau auf so etwas gewartet – Dinge eben auch umfassender anzugehen.

4. Dein Buch wurde immer wieder aktualisiert und das war ja auch nötig, so schnell, wie sich Online Marketing immer schon entwickelt hat. Was waren deiner Ansicht nach die einflussreichsten Veränderungen im Online Marketing der letzten 5 Jahre – und warum?

Mario Fischer:

Richtig, das Buch wurde bis 2008 häufig aktualisiert und nach und nach entstand daraus die Idee für das Magazin – was letztendlich die jetzt fortlaufende Aktualisierung des Buchs geworden ist. Was in den letzten Jahren aus meiner Sicht passiert ist, ist eine enorme Professionalisierung in der Branche – in durchaus allen Bereichen. Was oft noch etwas hinterher hängt, ist das Verständnis in den Unternehmen, dass man mehr tun kann und muss.

Seitens Google muss man natürlich die enormen Fortschritte hinsichtlich der semantischen Inhaltserkennung nennen. Man kommt immer mehr weg von dem Übergewicht einer Backlinkbewertung und das ist sicher ein richtiger Weg. Auch hier werden die Unternehmen wohl noch einige Jahre brauchen bis sie merken, dass die alten Rezepte nicht mehr so gut funktionieren.

5. Wie hast du zum Online Marketing gefunden und was war dein erster Touchpoint, zum Beispiel mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung?

Mario Fischer:

Suchmaschinen haben mich von Anfang an fasziniert. Was mir stark in Erinnerung geblieben ist, war ein Gespräch mit einem Quelle-Vorstand. Er meinte, wenn man wüsste, wie man Produkte zum Ranking bringen könnte… Ich antwortete ihm, das wäre kein großes Problem, das wüsste man schon. Am Ende hab ich mit Ihm um eine Kiste Sekt gewettet, dass ich das Suchwort „Quelle“ auf die erste Seite bei Fireball bringe (Google gab es damals noch nicht bzw. kannte das hier noch niemand).

Bereits nach 4 Tagen war ich damals mit einer neu angelegten Domain auf dem ersten Platz. Leider konnte ich die Wette dann nicht mehr einlösen, weil man ihn in der Zwischenzeit geschasst hatte (was aber absolut nichts mit unserer Wette zu tun hatte, das waren volatile Zeiten damals…). Ich hab dann auch gar nicht mehr daran gedacht, bis ich zwei Jahre später von der Rechtsabteilung der Quelle einen Brief bekommen hatte. Die meinten, sie hätten die Rechte im ganzen Universum für das generische Wort „Quelle“. Meine Domain hatte sprachlich zwar nichts mit dem Versandhaus zu tun, aber ich hab denen die Domain gegeben, um unnötigen Ärger zu vermeiden. Was haben sie gemacht?

Das Ding vom Netz genommen – selbst wurden sie mit „Quelle“ allerdings noch immer nicht prominent gelistet. Soviel zur anfänglichen Internetkompetenz von Handelskonzernen. Bis dahin war das für mich nur Spaß und Experimentieren. Danach hab ich das spezielle Wissen Unternehmen angeboten und das hat sehr gut funktioniert. Könnte sein, dass einige ganz junge SEOs von heute da noch gar nicht auf der Welt waren… ;-)

6. Wer wie du Buchautor und Verleger ist, wird auch gern als Speaker und Referent gesehen und gehört. Was macht für dich eine tolle Konferenz aus und welchen Fehler darf sich ein Veranstalter auf keinen Fall erlauben?

Mario Fischer:

Was manchmal etwas unterschätzt wird ist, die Referenten richtig zu briefen. Nicht selten muss man selbst aktiv nachfragen, auf welche Zuhörer man trifft. Richtig eklig ist es aber, wenn Referenten zu sehr für sich selbst Werbung machen und Probleme „fachlich“ so hinbiegen, dass am Ende nur sie und ihre Produkte/Dienstleistungen die einzige Hilfe bieten können.

Hier sollte man schon im Vorfeld klare Regeln aufstellen – die aber erfahrungsgemäß dann trotzdem leider oft ignoriert werden. Eine gute Konferenz lebt von der Themenvielfalt, konkreten Umsetzungstipps und Referenten, die Vorträge einigermaßen spannend halten können. Wenn man den ganzen Tag nur auf eine Bulletpointfolie nach der anderen schauen muss, nickt irgendwann der motivierteste Zuhörer weg.

7. Als Prof an der Uni bist du maßgeblich dafür verantwortlich, neue Talente in die Welt des digitalen Marketings zu entlassen. Was ist der ultimative Tipp, dem du einem typischen Absolventen gibst, wenn er bei dir fertig ist?

Mario Fischer:

Man sollte nicht auf das Einstiegsgehalt schielen. Die meiste Zeit verbringt man beim Berufsstart im Büro. Daher sollte das Umfeld passten. Nette Kollegen, spannende Aufgaben und eine Unternehmensleitung, die man online nicht zum Jagen tragen muss, machen das angenehmer. Wer seinen Job mit Spaß und Freude macht, macht ihn in der Regel besser, als wenn er damit ein paar Euros mehr verdient. Und in Hamburg oder München ist ein Euro sehr viel weniger wert als in einer kleineren Stadt. Auch das sollte man im Auge behalten. Ich rate immer, dass wenn man sich schon im Bewerbungsgespräch „unwohl“ fühlt, sollte man lieber die Finger von dem Unternehmen lassen. Unsere Absolventen sind in der verdammt glücklichen Lage, sich die Stellen meist aus mehreren Angeboten aussuchen zu können. Und ich persönlich denke, das wird auch noch viele Jahre so sein. Dass es keinen fachlich passenden akademischen Nachwuchs im Web-Bereich gibt, ist bereits problematisch und wird eine noch steigende Wachstumsbremse in Deutschland werden.

Mario, vielen Dank für das Gespräch!