Wenn man eine Interview-Reihe anfängt, in der man erfolgreiche und interessante Leute aus dem nationalen und internationalen Online Marketing befragt, dann darf einer nicht fehlen: Marcus Tandler, auch bekannt als „Mediadonis“. Marcus ist ein SEO der ersten Stunde, der sich schon mit Such-Algorithmen auseinandergesetzt hat, bevor Google in Deutschland bekannt wurde. Und bei diesen Algorithmen ist er nicht stehen geblieben, sondern blickt immer über den Tellerrand und ist vor allem exzellent vernetzt – nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt… Marcus, du bist ein Urgestein der deutschen und internationalen SEO-Szene. Sei bitte dennoch so nett und stell dich meinen Leserinnen und Lesern kompakt in ein bis zwei Sätzen vor!

Marcus Tandler

Marcus Tandler:

Vielen Dank, Björn! Hallo, ich bin Marcus! Begeisterter SEO-Nerd, Co-Gründer und Co-Geschäftsführer von OnPage.org und Gastgeber beim SEOktoberfest, einem weltweit einzigartigen Think Tank zum Thema SEO, bei dem sich jedes Jahr die Besten unserer Branche aus der ganzen Welt in München treffen – dieses Jahr übrigens bereits zum achten Mal!

1. Wann war dein allererster Touchpoint zum Thema Suchmaschinenoptimierung und wie kam es dazu?

Marcus Tandler:

Während meines Studiums an der Universität Augsburg war ich als Webdesigner für ein paar lokale KMUs tätig. Eines Tages – ich glaube, es war im Sommer 1997 – bat mich einer dieser Webdesign-Kunden, ob ich denn auch dafür sorgen könnte, dass seine neu gestaltete Seite bei Altavista gefunden werden kann. Ich hatte mich bis dahin nicht wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt, aber natürlich versprach ich ihm, herauszufinden, wie sich dies bewerkstelligen ließe.

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Glücklicherweise musste man damals lediglich auf „Submit your Site“ klicken, um eine neue Webseite bei der Suchmaschine „anzumelden“. Mein Interesse war geweckt!

Aus dem anfänglichen Interesse wurde schnell Leidenschaft und aus Leidenschaft wurde letztendlich Liebe. Als dann Google im Jahr 2000 in Deutschland gestartet ist, bin ich quasi mit Googles Algo aufgewachsen.

2. Wenn du auf deine Karriere bis heute zurückblickst: Was ist der deiner Meinung nach bisher größte Umbruch, der in der Branche stattgefunden hat und wie hast du darauf als SEO reagiert?

Marcus Tandler:

Ich glaube, der größte Umbruch findet aktuell statt. Im Moment splittet sich die SEO Branche in zwei verschiedene Lager auf: SEOs, die sich mit den technischen Aspekten von SEO beschäftigen und zum anderen SEOs, die früher Link Building gemacht haben und nun versuchen, zu Content-Marketern zu evolvieren, um nicht auszusterben.

Gerade für letztere ein gewagter Schritt, denn in diesem Bereich gibt es viele etablierte Agenturen, die schon sehr lange Content-Marketing betreiben, auch wenn sie dies damals vielleicht selber noch anders genannt haben. Der Schritt von stumpfen Linkkauf hin zu kreativem, zielgruppenfokussierten Content-Marketing ist mitunter recht groß und scheint bei manchen SEOs eine wahre Identitätskrise hervorzurufen.

„SEO ist tot“-Rufe gab es schon immer, aber aktuell ist besonders viel Wehklagen zu hören. Den klassischen SEO Allrounder vergangener Jahre gibt es nur noch sehr selten – nur durch Fokussierung lässt sich kompensieren, was an praktischer Erfahrung fehlt. Erfahrung ist und bleibt das allerwichtigste für ambitionierte SEOs.

Früher ging es beim SEO vor allem um Taktiken, wie sich die Maschine überlisten lässt, heute ist Google bereits schlau genug, mehr oder weniger erfolgreich autonom herauszufinden, welche Webseite wirklich das beste Ergebnis für den User bereit hält – wenn auch noch nicht in allen Bereichen.

Früher war SEO einfach SEO – heute sind es viele unterschiedliche Disziplinen, die allesamt (oftmals auch nur nachgelagert) auf ein positives Google Ranking einzahlen. Das Wichtigste hierbei ist, gedanklich den User in den Vordergrund zu rücken.

Audience over Algorithms“ lautet das Motto! Google will ja nicht diejenige Seite am besten ranken, die das beste SEO macht, sondern die, die das beste Ergebnis für den User ist.

3. Mit OnPage.org hast du als Co-Founder in nur wenigen Jahren eines der derzeit erfolgreichsten SEO-Tools aus dem Boden gestampft. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Marcus Tandler:

Unser Fokus ist Webmastern nicht einfach nur irgendein Tool zu verkaufen, sondern wir wollen Ihnen wirklich dabei helfen, bessere Webseiten zu bauen und mehr Erfolg im Internet zu haben. Wir sind stets hilfsbereit und versuchen Kunden zu Freunden machen, denn so macht die Kundenbeziehung einfach am meisten Spaß!

Das „Erfolgsgeheimnis“ ist allerdings natürlich das Tool an sich. Nur durch flotte Sprüche kommt man in dieser Branche nicht weit, man muss schon mit Qualität überzeugen.

Unsere Software erleichtert den technischen SEO Prozess enorm und spart viel Zeit bei der Analyse von Problemen und Audits von Webseiten im Allgemeinen. Nicht minder wichtig ist das Team: Ich schätze mich unglaublich glücklich, mit Merlin und Andi zwei geniale und ausdauernde Co-Geschäftsführer an meiner Seite zu haben, sowie 30 weitere phänomenale Mitarbeiter, die unermüdlich dabei mithelfen, eine klasse Software im Markt zu etablieren.

Es ist sicherlich nicht immer einfach als Start-up und die Lernkurve ist für uns alle mitunter sehr steil, aber wenn es einfach wäre, dann würde es ja jeder machen! Hauptsache man behält den Spaß an der Arbeit! Zum Gründen gehört halt immer auch ein bisschen Rock’n Roll.

4. OnPage.org hat relativ schnell ähnliche Konkurrenzprodukte entstehen lassen. Wie gehst du mit der Konkurrenz um und was macht OnPage.org besser als die Konkurrenz?

Marcus Tandler:

OnPage.org ist aktuell in Hinsicht auf Flexibilität im Umgang mit selbst mehreren Terabyte großen Website-Crawls, durch unsere umfangreichen Filter-Funktionalitäten, sicherlich konkurrenzlos. Auch unser mächtiges OnPage.org Focus Tool, mit dem man Live und in Echtzeit beliebige Einzelseiten einem ausführlichen Qualitätscheck unterziehen kann, ist sehr beliebt.

Die volle Kraft von OnPage.org gibt es mit OnPage.org Free komplett gratis für kleine Webseiten, einfach ausprobieren und sich selber ein Bild machen. Am Ende ist es aber oftmals einfach eine rein subjektive Entscheidung, welche Software man selber benutzen will.

Bevor ich mir lange einen Kopf über etwaige Mitbewerber mache, konzentriere ich mich lieber zu hundert Prozent auf unser Produkt. Wir konzentrieren uns darauf, unseren Kunden die bestmöglichen Daten zur Verfügung zu stellen, auf deren Basis man fundierte, sachkundige Entscheidung treffen kann.

Das beste Produkt wird sich am Markt durchsetzen und genau deswegen arbeiten wir alle sehr hart daran, unsere Software jeden Tag ein Stückchen besser und unsere Kunden glücklicher zu machen.

5. Das Team hinter OnPage.org ist bekannt für seinen hohen Anspruch an das eigene Tool. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten muss man mitbringen, wenn man bei euch arbeiten will?

Marcus Tandler:

Die wichtigste Eigenschaft ist sicherlich Leidenschaft für das Thema und natürlich ein unbändiger Wille, alles dafür zu geben, etwas wirklich Außerordentliches zu schaffen. Wir versuchen immer noch, ein Schippchen mehr drauf zu legen, das fängt beim Arbeitseifer an und mündet in der entscheidenden Idee, die etwas nicht nur zu 100% gut, sondern 110% saugeil macht.

Wir suchen keine Leute, die einfach nur einen guten Job machen – wir suchen Leute, die wirklich etwas bewegen wollen und stets bereit sind, die extra Meile zu gehen, auf die es ankommt. Leute, die wirklich etwas bewegen und sich selber weiterentwickeln wollen – für so jemanden sind wir gerne der Nährboden, aus dem Großes entstehen kann.

6. Du bist gern gesehener Speaker auf Konferenzen zu SEO und Online Marketing. Was kannst du heute selbst noch als Input von solchen Events für dich mitnehmen?

Marcus Tandler:

Das kommt ganz auf die Konferenz an. Aber eigentlich lässt sich fast auf jeder Konferenz etwas mitnehmen und wenn es nur ein spannendes Gespräch beim Bier danach ist.

Ich diskutiere halt leidenschaftlich gerne über SEO. Und dies deutlich lieber Face to Face, statt in 140 Zeichenlänge auf Twitter.

Natürlich bin ich auch stets auf der Suche nach spannenden neuen Speakern, die man für eine andere Konferenz empfehlen kann. Ob nun für die SMX München, bei der ich ja seit mehreren Jahren im Fachbeirat tätig bin, oder natürlich auch für unser SEOktoberfest, bei der wir jedes Jahr versuchen, die weltweite Elite unseres Fachs nach München zu lotsen.

7. Aktuell werden Podcasts wieder gefühlt populärer und du hattest selbst mit den „Webmasters on the Roof“ schon 2007 eine Audioshow am Start. Worin bestand damals für dich der Reiz, die Show zu machen?

Marcus Tandler:

Webmasters on the Roof gab es bereits 2006, auch wenn wir damals noch als seoFM bekannt waren. Erst durch die Übernahme des Formats durch das US-amerikanische Podcast-Network WebmasterRadio.FM wurden wir zu den Webmastern on the Roof… übrigens eine Anspielung auf die Dachterrasse meines Co-Moderators FridayNite, von der wir damals jeden Dienstag gesendet haben.

WebmasterRadio.FM war damals auch die Inspirationsquelle für seoFM, so gab es damals ja einige klasse Shows in den USA, wie bspw. die SEO Rockstars Show. In Deutschland gab es zum damaligen Zeitpunkt noch keine vergleichbare Show und da ich während meiner Studienzeit in Augsburg bereits Moderations-Erfahrung bei Radio Fantasy und Fantasy Bayern sammeln konnte, entstand die Idee ein eigenes Show-Format auf die Beine zu stellen.

Der Reiz bestand darin, anderen Webmastern eine kleine Inspirationsquelle zu sein. Ich bin unglaublich dankbar, dass mir in meiner SEO-Anfangszeit andere Webmaster immer mit Rat und Tat zur Hilfe gestanden haben und deshalb versuche auch ich stets anderen Webmastern im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen.

Es gibt viele tolle Geschichten von damaligen Hörern für die WotR der „Arschtritt“ war, den es gebraucht hat, um aus der eigenen Komfort-Zone zu kommen. Noch heute sprechen mich SEOs darauf an, dass WotR damals einer der Startpunkte ihrer SEO-Karriere war und selbst aus dem Google Search Quality Team wurde mir überliefert, dass Dienstag Abends immer WotR Pflichtprogramm war.

Das macht Friday und mich natürlich sehr stolz. Dennoch glaube ich, dass unsere damalige Show heutzutage nicht mehr wirklich zeitgemäß wäre.

Marcus, vielen Dank für das Interview!