Marco Janck, auch bekannt als der „SEOnaut“, ist ein Urgestein der deutschen Online Marketing Szene. Nicht nur, dass er seit Jahren Akzente setzt und auch immer einer der wenigen Leute ist, der wirklich über den Tellerrand schauen: Marco Janck hat mit der „SEOCampixx“ maßgeblich dazu beigetragen, dass im deutschsprachigen Raum Konferenzen zum Thema „Suchmaschinenoptimierung“ überhaupt erst etabliert wurden. Und genau aus diesem Grund ist es auch Marco Janck, der die SEOCampixx immer weiter entwickelt und mittlerweile mit der „CampixxWeek“ eine komplette Konferenzwoche mit Bildungscharakter erfolgreich aus der Taufe gehoben hat – doch in ihm steckt noch viel mehr…

Marco Janck: "Für mich sind die ganzen Theoretiker da draußen wirklich die Hölle!"

Marco Janck im Interview: „Für mich sind die ganzen Theoretiker da draußen wirklich die Hölle!“

1. Marco, wie schon erwähnt bist du der Schöpfer der SEOCampixx. Wie hat sich die deutsche SEO Szene deiner Ansicht nach seit dem Start der Campixx 2009 verändert?

Marco Janck:

Ach naja, bis auf die Tatsache, dass es keine direkte SEO Szene mehr gibt, hat sich nichts verändert, hehe. Nee, mal im Ernst. Die SEO Welt hat sich massiv verändert und mit ihr auch die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Die Themen sind viel breiter, anspruchsvoller und professioneller geworden. Wo es in 2009 noch oft darum ging, wie man möglichst viel Geld mit SEO Traffic über Affiliate macht, geht es heute darum, wie man SEO Agenturen führt, wie man sich als SEO Angestellter erfolgreich ist oder wie man Kunden gezielt mit SEO helfen kann.

Alles ganz erwachsene Marketing Themen. Wenn du mich fragst, ob es damals besser war, so kann ich nur sagen, dass es anders war. Besser oder schlechter gibt es nicht. Es gibt nur das Jetzt. Das radikale, freigeistige von damals war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es gibt nicht sehr viele Möglichkeiten in unserer Welt einen solch relativ ungeregelten Raum mitzugestalten. Ich hatte solch eine Atmosphäre bislang nur kurz nach der Wende bei meiner damaligen Tätigkeit als Polizist erlebt. Als ich als „West-Polizist“ in den Osten kam, war diese Atmosphäre ähnlich.

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Es gibt für mich nicht mehr DIE Szene. Es gibt eine Gruppe von Menschen, die sich schon sehr lange kennt. Davon profitieren viele noch heute in der Branche, aber das ist Teil von gutem Networking und das kann eigentlich jeder. Neben diesen Alten gibt es aber ganz, ganz viel leidenschaftliche Menschen, die aktuelle Skillz und Ziele anstreben. Das ist auch toll. Vielleicht noch viel toller, weil die Meisten davon ja noch mit vielen Fragenzeichen in Sachen Erfahrung rumlaufen.

2. Online Marketing ist ständig im Wandel. Wie wichtig ist Suchmaschinenoptimierung heutzutage im Rahmen einer erfolgreichen digitalen Strategie?

Marco Janck:

Für mich und für unsere Arbeit in meiner Agentur Sumago ist die markenorientierte Suchmaschinenoptimierung die Basis des Marketings. Ich sehe hier eine gute Möglichkeit, Unternehmens- und Markenziele mit dem Thema Informationsarchitektur zu verbinden. Einen Bereich, den ich der Suchmaschinenoptimierung zuordne und der dann in die anderen Themen der SEO mündet. Ich glaube, dass Unternehmer und Entscheider gut beraten sind, dass Thema SEO weiterhin sehr weit oben aufzuhängen.

Aber wie immer gibt es ja die perfekte Welt nicht, sondern nur meine, weil ich die SEO sehr breit und unternehmensorientiert sehe. Standard SEOler haben da nichts verloren. Man sieht also: Es gibt eigentlich keine Standard-Antwort für den Wert der SEO im Marketing Mix. Es kommt immer darauf an, wer was mit welcher Perspektive und Erfahrung für wen machen kann. Menschen wollen zwar immer einfache Antworten haben (Stichwort „Conversion Optimierung„), doch das gibt es eigentlich in der echten Welt nicht.

3. Du bist ein Mann, der gern seine Meinung sagt und diese Meinung auch öffentlich vertritt. Inwiefern hat dir diese Charaktereigenschaft beim Aufbau deines Personal Brandings geholfen?

Marco Janck:

Na ja, ich glaube persönlich, dass es der Schlüssel zu einer Wahrnehmung ist. Wer nur mitschwimmt, der ist halt schnell Teil der Masse. Das bin ich nicht. Stell dir den Start des Berlin Marathons vor. Da laufen alle in eine Richtung. Keiner wird wahrgenommen. Wenn einer entgegen der Masse rennt wird dieser theoretisch anders wahrgenommen. Er verhält sich entgegen der Norm und asynchron zur Erwartung. Das Beispiel ist nicht schlecht, weil es das Risiko gut begreiflich macht. Als Einzelläufer gegen den Strom wirst du von der Masse dann schnell überrollt. Die Dosierung ist also wichtig.

Aber grundsätzlich ist das eine Sache der Persönlichkeit und auch des Alters. Ich bin aktuell zutiefst unzufrieden über den Weg den wir gesellschaftlich und in Sachen Marketing eingeschlagen haben und mit den Werten, die hier vermittelt werden. Jeder macht nur noch das, was bei anderen als erfolgreich angesehen wird. Alle folgen dem weißen Hasen. Kommt mir ein wenig vor, wie der „Rattenfänger von Hameln“. Ich glaube, dass das der Holzweg ist und in meiner Position sehe ich genau meine Chance. Ich möchte persönlich gerne der sein, der gegen die Menge schwimmt, auch wenn es manchmal weh tut und man ins straucheln kommt.

Ich will das aber nicht nur für mich umzusetzen, sondern versuche das auch mit meinen Kunden so zu machen. Oft steht zwar SEO im Leistungsschein und es geht dann in der Beratung ziemlich lange und intensiv um das Unternehmen an sich, die Werte und die Positionierung. Wenn ich mir die Ratlosigkeit in Sachen Content Marketing von vielen Unternehmen ansehe, dann durchbreche ich mit einer anderen Positionierung oft die Bewegungsunfähigkeit und die Kreativlosigkeit. Durch das Neue entstehen tolle Geschichten und Marken haben die Möglichkeit für etwas zu stehen. Aber unter uns, weil hier ja keiner mitliest. Die Meisten sind einfach nur feige und haben keinen Arsch in der Hose. Ich will aber persönlich nicht für „Nur-Ja-Sager“ arbeiten.

4. Immer wieder blickst du nach links und rechts und beschäftigst dich mit neuen Themen außerhalb deiner Komfortzone. Was ist dein Antrieb, immer wieder deinen Horizont zu erweitern?

Marco Janck:

Ich bin ein neugieriger Mensch und einer, der schnell gelangweilt ist, wenn ein bestimmter Stand des Know-hows erreicht ist. Ich muss dann weiterziehen. Dabei gebe ich das Erlernte aber nicht auf, sondern ich versuche das Neue mit dem Alten sinnvoll zu kombinieren. Ich betrachte das wie dieses Spiel bei dem von einem Bild immer nur Bruchstücke gezeigt werden. Ab einem bestimmten Punkt erkennst du das Bild.

Jedes Wissensteil führt mich zum Erkennen des Bildes und das Coole in meinem Fall ist, dass es die Bilder eigentlich noch nicht gibt. Da entstehen also Sachen, die ich neu in den Markt bringen kann. Ist so ein Unternehmer Ding. Haha, ich habe keine Ahnung, ob die Menschen da draußen überhaupt verstehen, was ich meine :-)

5. Als einer der ersten Podcaster im Online Marketing bist du nach einer Pause jetzt mit deinem neuen Podcast wieder am Start. Wie schätzt du die Bedeutung des Podcasts als Instrument im Online Marketing aktuell und in den kommenden Jahren ein?

Marco Janck:

Ich sehe mich (auch) als Content Marketing Strategen. Um in dem Bereich arbeiten zu können, muss ich die Content Formate kennen. Wissen, wie sie funktionieren und wie man sie macht. Nur dann kann ich überhaupt mitreden in dem ganzen breiten Feld. Für mich sind die ganzen Theoretiker da draußen wirklich die Hölle. Früher habe ich einfach gepodcastet, weil ich es wollte. Habe mir keine großen Gedanken gemacht. Das hat sich nicht groß verändert.

Ich weiß nur genau, dass dieses Format eine Waffe im Content Marketing ist und ich weiß jetzt genau, wie ich diese einsetzen will und kann. Das betrifft aber auch noch mehr das Format Video. Ich will nicht hochnäsig sein, aber ich glaube im Online Marketing gibt es wenige Menschen, die überhaupt verstehen, wie das alles zusammen funktioniert. Ohne das Verständnis für die Mühe, die diese Formate machen ist jede Sicht auf Content Marketing sinnlos. Auch deshalb haben wir mit der Campaignixx einen Content Marketing Praxis Workshop ins Leben gerufen, in dem wir genau diese Werte in der Praxis vermitteln wollen.

Marketing muss sich nach was anfühlen und darf nicht nur aus leblosen digitalen Bestandteilen zusammengefügt sein. Podcasting ist für mich ein Weg im Content Marketing. Ich glaube daran, aber ich kann nicht sagen, ob es wirklich ein wichtiges Instrument sein wird. Das Angebot und die Verfügbarkeit steigen enorm. Das macht die Wahrnehmung schwieriger. Aber da kommt dann das Thema Community ins Spiel. Ich schweife ab…

6. Online Marketing ist in den letzten Jahren zu einem attraktiven und lukrativen Markt geworden. Was muss jemand deiner Ansicht nach bieten, um als Newcomer in diesem Markt erfolgreich durchzustarten?

Marco Janck:

Ein Newcomer muss nicht viel machen. Sein wir ehrlich. Im Kern kann jeder Depp mit ein paar Angeboten und einem guten Vertrieb von 0 auf 100 starten. Der Markt ist da und die meisten Kunden und Unternehmer haben keinen Plan von dem was läuft. Das Thema schreitet so schnell voran, dass die normalen Menschen schon längst den Anschluss verloren haben. Diese Unwissenheit kann immer dafür genutzt werden, sein Zeug zu verkaufen.

Wer pfiffig ist, der sucht sich Leute, die erstens ein gewisses Lebensalter haben. Lebenserfahrung und Menschenkenntnis haben nämlich einen direkten Input auf das operative Marketing und den Beratungserfolg. Dazu kommt die Erfahrung im Thema. Also wie lange man sich mit bestimmten Marketingteilen und in welcher Form beschäftigt. Je mehr Skillz die Leute haben, desto mehr Puzzleteile können für den Kunden zu einem Bild zusammengebaut werden. Jaja, das kostet Geld. Ups! Warum auch nicht. Das ist was wert.

Newcomer können halt nur kleine Teile anbieten. Das kann reichen, aber in der Regel entsteht dadurch nicht der große Wurf, der Unternehmen retten kann. Ja, retten. Aktuell ist die Chance für viele Unternehmen extrem groß, den Karren an die Wand zu fahren. Die Welt ist radikal und wartet auf keinen. War schon immer so. Aktuell geht es nur schneller, denke ich.

7. Jahrelang war Google der unbestrittene Platzhirsch im Internet, jetzt ist es offensichtlich, dass Facebook diese Rolle eingenommen hat. Welche möglichen Gefahren und Vorteile siehst du im Kampf dieser Giganten?

Marco Janck:

Ich sehe keine Gefahren. Ich sitze da am Ende der Nahrungskette und ich weiß auch nicht, ob sich da irgendwann noch andere einmischen. Ich muss mit dem leben was da ist und meine Strategien und die meiner Kunden anpassen. Ehrlich gesagt geht mein Blick auch viel mehr zurück in die Offline Welt. Für mich ist der nächste große Wurf die Verbindung von Offline und Online.

Dadurch wird die Welt noch größer und schwieriger, aber so ist das. Ich muss irgendwann die ganze Marketing Welt zusammensetzen können. Willkommen in der Welt von heute. Das Coole ist aber, dass man einfach alles verkaufen und irgendwo anders neu beginnen kann. Man muss das alles nicht mitmachen. Ich mache es und mir macht einen irren Spaß. Mit allen Höhen und Tiefen.

Marco, vielen Dank für das ausführliche Interview!