Wie lange halten sich Nutzer von Google Plus und Facebook im Durchschnitt aktuell in den jeweiligen sozialen Netzwerken auf? Das wollten wir genauer wissen und haben zwei Umfragen gestartet. Das Ergebnis zeigt recht eindrucksvoll, wo das Problem bei Google Plus im Vergleich zu Facebook (derzeit) liegt.

Die „durchschnittliche Verweildauer“ ist ein kritischer Faktor. Auch wenn Google bisher noch die größte Reichweite im Internet hat – Facebook holt immer weiter auf. Nicht nur deswegen hat man sich bei Google wohl zum Start von Google Plus entschieden, denn auch in Mountain View weiß man, dass es wichtig ist, Nutzer so lange wie möglich an das eigene Produkt zu binden.

Bei Facebook handelt es sich um ein bereits mehr als 7 Jahre altes, organisch gewachsenes Netzwerk. Die Akzeptanz der Nutzer ist entsprechend hoch. Insofern ist auch nicht verwunderlich, dass viele Facebook Nutzer auch viel Zeit dort verbringen, schließlich hat man hier (fast) alles, was man braucht. Über 40% halten sich täglich mehr als 2 Stunden bei Facebook auf. 12,8% bringen es auf bis zu 2 Stunden, und 25,5% bzw. 21,3% sind 30 bis 60 oder weniger als 30 Minuten täglich bei Facebook online.

Diese Zahlen zeigen, dass Facebook von vielen Nutzer offensichtlich als „zweites Wohnzimmer“ angesehen wird. Und entsprechend viel Zeit verbringen sie dort. Bei Google Plus sieht das aktuell (noch) etwas anders aus – so kann man die vorliegenden Zahlen grundsätzlich so interpretieren, dass sich die Situation, wie sie bei Facebook vorliegt, bei Google Plus umkehrt.

Im Gegensatz zu Facebook sind bei Google Plus nämlich nur 4,6% der Nutzer mehr als 2 Stunden durchschnittlich täglich online. Bei der Zeitspanne „1 bis 2 Stunden“ liegt Google Plus (10,8%) mit Facebook immerhin fast gleich auf. 33,8% der Google Plus Nutzer sind zwischen 30 und 60 Minuten täglich auf dem sozialen Netzwerk online. Mit über 50% ist der große Teil der Nutzer von Google Plus aber weniger als 30 Minuten täglich dort aktiv. Hier zeigt sich, dass es Google Plus bisher nicht wirklich gelungen ist, seine Nutzer so lang zu binden, wie es bei Facebook der Fall ist.

Allerdings hat Facebook aufgrund der zahlreichen Features (derzeit noch) deutliche Vorteile, wenn es darum geht, Nutzer zeitlich länger an sich zu binden. Dazu tragen natürlich die vielen Inhalte bei, die dort geteilt werden. Auch die Möglichkeiten, von externen Websites via Social Plugins zu Facebook weitergeleitet zu werden, tragen ihren Teil dazu bei. Bei Google Plus gibt es diese Social Plugins bisher noch nicht.

Auch bietet Google Plus noch keine Spiele, keine Veranstaltungen, keine „Fanpages“, etc. Der Schwerpunkt von Google Plus liegt derzeit bei der Verteilung externer Inhalte. Viele Menschen nutzen Google Plus derzeit auch schon als Ersatz für Twitter, weil sich bei Google Plus besser und vor allem länger diskutieren lässt.

Es bleibt abzuwarten, ob Google Plus die Verweildauer seiner Nutzer mittel- bis langfristig erhöhen kann. Das ist vermutlich eines der wichtigsten Ziele. Dafür wird es aber nötig sein, mehr Features zu bieten. Nur so kann man es erreichen, dass Google Plus auch von Facebook Nutzern als echte Alternative angesehen wird.