Kurz bevor Mark Zuckerberg 2004 in Harvard Facebook aus der Taufe hob, kam aus dem Hause Google mit Orkut ebenfalls ein echtes soziales Netzwerk. Damals waren Friendster und MySpace richtig dicke Fische im Social Media Teich und auch Google wollte schon vor 8 Jahren mitmischen. Orkut wurde gelauncht, aber nie richtig beworben, gepusht oder mit sinnvollen Integrationen und Updates ausgestattet, so dass das Projekt leider nie richtig durchstarten konnte und stets stiefmütterlich behandelt wurde. In Ländern wie dem Iran oder Indien war das soziale Netzwerk dennoch recht erfolgreich. Und erst dieses Jahr konnte Facebook Orkut in Brasilien überrunden. Nun aber gibt es bekanntlich Google+ und grundsätzlich braucht man bei Google eigentlich nur ein Netzwerk. Was also tun?

Google+ überrollt Orkut

Google braucht Orkut nicht mehr

Die Antwort auf diese Frage ist laut Google einfach, denn man zieht Orkut mittelfristig den Stecker. Die Strategie: Man „bittet“ alle Orkut User, sich mit Google+ zu verknüpfen. Dazu hat man im Idealfall ein Profil jeweils bei Orkut und Google+. Ist die Verbindung perfekt, dann lassen sich zum Beispiel bei Google+ Postings absetzen, die dann auch bei Orkut gelesen werden können – mit einem unmissverständlichen Hinweis auf Google+ als Quelle, versteht sich. In die andere Richtung klappt das nicht, sprich: Postet man etwas bei Orkut, dann taucht das nicht bei Google+ auf.

Orkut User sollen zu Google+ wechseln

Es ist also recht eindeutig, dass Google Orkut nach und nach das Licht ausknipsen will. Eines steht fest: Google+ befindet sich auf einem technisch deutlich höheren Stand als Orkut. Kein Wunder also, dass man in Mountain View dafür sorgen will, dass die Infrastrukturen nicht doppelt belastet werden. Und damit auch möglichst schnell möglichst viele Orkut User zu Google+ wechseln, blendet Google überall Features von oder zu Google+ ein, wie zum Beispiel Vorschläge zu interessanten Seiten, Fotos direkt aus Google+ oder auch die Linkbar am oberen Ende des Browsers, die man ab sofort auch bei Orkut sieht – wohlgemerkt mit den Google+ Notifications darin.

Ende für ein kleines aber feines Netzwerk

Mit Orkut geht es also zu Ende. Ist das schade? Ein bisschen. Orkut hatte durchaus das Zeug, etwas aus sich zu machen, leider bekam es nie die Chance dazu. Dass Orkut beliebt war und noch ist, zeigen die Zahlen. Immerhin 33 Millionen Nutzerinnen und Nutzer hat das Netzwerk aktuell weltweit, über 50% davon sitzen in Brasilien. Diese User werden sich dann aber in Kürze bei Google+ wiederfinden, wenn sie es denn wollen. Unwahrscheinlich ist die Annahme, dass Google Orkut parallel zu Google+ bestehen lässt. Wenn man in Mountain View nett ist, dann lässt man Orkut wenigstens noch seinen 10. Geburtstag erleben – der ist im Januar 2014 und somit nicht mehr in weiter Ferne.