Was im echten Leben nicht funktioniert, das könnte vielleicht in der virtuellen Welt klappen. So oder so ähnlich denken Anbieter von Diensten, bei denen man Follower für Twitter oder eben Freunde bzw. Fans für Facebook kaufen kann. Diese Anbieter richten sich vornehmlich an Firmen oder Webseiten-Betreiber, die, um beim Beispiel von Facebook zu bleiben, ihre Fanseiten vor Ort ein bisschen aufpumpen wollen. Dafür wählen viele Verantwortliche mitunter dubiose Anbieter und kaufen sich tatsächlich „Fans“ für ihre Präsenzen auf Facebook. Ein paar solcher Fälle durfte ich schon mehrfach im Rahmen lebhafter Diskussionen mit einigen Kollegen „genießen“. Da es sich aber auch dort überwiegend um theoretische Auseinandersetzungen handelte, wollte ich es etwas genauer wissen und habe einen Test gemacht um herauszufinden, ob man 1. wirklich Fans für Facebook kaufen kann und ob sich das 2. in irgendeiner Form auszahlt.

Vorbereitung und Recherche

Weil man bei solchen Tests vorher natürlich nie weiß, was genau man anrichtet (im positiven oder negativen Sinne) habe ich eine Fansite bei Facebook konstruiert. Das dahinterstehende Projekt war real, aber eben nur recht klein und somit im Falle eines Super-GAU entbehrlich – sofern eine Website von „dunklen Machenschaften“ seiner Facebook-Filiale überhaupt in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Website steht, Facebook-Fansite steht – es kann losgehen. Wo bekommt man nun neue Fans für die Seite? Wie immer: „Google ist dein Freund!“ Der Suchmaschinenprimus spuckt diverse Möglichkeiten aus, Fans für seine Facebook-Seite zu kaufen. Von privaten Hökern bei eBay über „professionelle“ Anbieter hier in Deutschland bis hin zu einschlägigen „Social Media Firmen“ in Übersee, vor allem natürlich in den USA. Fast alle Anbieter haben zahlreiche Pakete im Angebot. Von 500 bis 50.000 neuen Fans war alles dabei.

Die Anbieter

Viele der Anbieter bemühen sich um möglichst seriöses Auftreten. Das vor allem mit zahlreichen Hinweisen, dass es sich IMMER um „echte Fans“ handeln würde. Es würden nur Personen als neue Fans generiert, die im Rahmen von Kooperationen mit den Firmen dazu bereit seien, Fans von bestimmten Seiten zu werden, blablabla, etc. – das übliche Geschwafel. Allein schon die Zahl von 50.000 neuen Fans lassen erahnen, dass es damit nicht so richtig weit her sein kann. Natürlich, im Vergleich zu 600 Millionen Mitgliedern sind 50.000 neue Fans aus dem Netzwerk von Facebook kein wirklich großer Wert. Auf der anderen Seite sollte aber schon klar sein, dass allein der Verwaltungsaufwand eines Anbieters relativ groß sein müsste, wenn man wirklich Kooperationen mit so vielen Leuten abgeschlossen hätte. Sicher, es ist möglich – aber durchaus tricky zu realisieren.

Die Fans

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Fast jeder Anbieter wies ausdrücklich darauf hin, dass es bei den Fans ein „Targeting“ geben würde. Im Klartext: Ich habe eine deutsche Facebook-Seite, ich will deutsche Fans (oder zumindest solche, die der deutschen Sprache mächtig sind). Kurioserweise gab es diese Zusicherung auch von Anbietern aus den USA. Hmmm… Muss grundsätzlich nichts negatives dran sein, wirkt aber doch irgendwie seltsam. Sollte der Anbieter also auch über Kompetenzen in mehreren Sprachen verfügen? Was auf jeden Fall nie zur Sprache kam, war irgendeine Info über die „interaktive Qualität“ der Fans. Es wurde also nicht versprochen, dass es sich auch um Fans handelt, die sich überhaupt für das Thema der Website interessieren. Besonders die „Interaktion“ ist aber bei Facebook besonders wichtig, weil man ja Leute an seine Seite binden will.

Die Auslieferung

Hier gab es nichts zu bemängeln. Ich habee einige Anbieter getestet, die „Fans“ wurden in unregelmäßigen Abständen innerhalb des vereinbarten Zeitraums geliefert, die Gesamtanzahl der Fans auf der Fansite wuchs stetig. Logischerweise immer so lange, bis das zu vermittelnde Kontingent erschöpft war. Übrigens: Ich habe absichtlich nur kleine Mengen geordert, schließlich handelte es sich eben nur um einen Test.

Die Qualität

Wie zu befürchten war, ließ die Qualität der Fans zu wünschen übrig. Bei fast allen Anbietern traten die gleichen „Unregelmäßigkeiten“ auf:

1. die neu vermittelten Fans zeigten keinerlei Anzeichen von „Interaktion“, für den qualitativ nachhaltigen Ausbau einer Fansite bei Facebook also vollkommen nutzlos
2. die Profile der neu vermittelten Fans sahen allesamt „strange“ aus – also seltsam; in vielen Fällen handelte es sich um sehr attraktive Frauen, die aber selbst nur ein schwach ausgebautes Profil ihr Eigen nennen konnten
3. die Profile der neu vermittelten Fans waren selbst wenig vernetzt – wenig Freunde, wenig eigene Fansites und (wenn überhaupt) so gut wie keine Infos in den persönlichen Angaben

Es gab weitere „Marker“, die aber an dieser Stelle keine große Rolle spielen. Schaut man sich die generierten Fans an, dann wird schnell klar, dass es sich entweder um gehackte Accounts bei Facebook handeln muss oder um reine Fake-Profile. Vermutlich handelt es sich bei den meisten von den Anbietern verkauften Dienstleistungen um eine Mischung aus beiden. Grundsätzlich auf jeden Fall schlechte Profile, die sich zum Aufbau einer Facebook Page nicht eignen.

Fazit

Obwohl ich diesen Test nur für Facebook gefahren habe, gehe ich davon aus, dass es sich in anderen sozialen Netzwerken wie Twitter oder YouTube ähnlich verhält. Twitter hat zudem das Problem, dass man dort auf den ersten Blick nicht erkennen kann, ob die Unmengen an Followern eines Accounts wirklich „interaktiv“ sind oder nicht. Bei Facebook und YouTube ist das einfacher. Findet man dort eine große Menge von Fans oder Abos/Freunden, aber keine Interaktion mit dem Account, dann handelt es sich in der Regel um gekaufte Fans, Abos oder Freunde.

Der Weg, sich Freunde, Fans, Follower oder Abonnenten in sozialen Netzwerken zu „erkaufen“ funktioniert also nicht. Das war zu erwarten, trotzdem sollte man alles mal unter die Lupe genommen haben. Und da es diese Angebote zahlreich im WWW gibt, will ich einfach davor warnen, Geld zu verbrennen – denn genau das tut man, wenn man solche Wege einschlägt.

Investigative Leser werden sich jetzt vermutlich fragen, warum ich diesen Test veröffentlicht habe oder ob ich ihn auch veröffentlicht hätte, wenn die erkauften Fans brauchbar gewesen wären. Sprich: Hätte ich für die gekauften Fans für das Projekt behalten und die Klappe gehalten, wenn der Test „erfolgreich“ gewesen wäre (wenn die Qualität der Fans also gestimmt hätte)?

Nein, ich hätte die Fans nicht behalten und ja, ich hätte den Test so oder so veröffentlicht und auch im „Erfolgsfall“ davor gewarnt, weil es einfach dem grundsätzlichen Prinzip von Social Media und Social Media Marketing widerspricht. Man kauft sich keine Freunde und Fans, man verdient sie sich. Und das macht man am besten mit guten Inhalten und interessanten Aktion, die einen Mehrwert für potenzielle Fans und Freunde in sozialen Netzwerken haben.

Übrigens: Die zum Test aufgesetzte Fansite bei Facebook habe ich kurz nach der Auswertung vor einigen Wochen umgehend gelöscht. Genau wie Google braucht auch Facebook sicherlich keinen sinnlosen Datenmüll in seinen digitalen Eingeweiden. Und ja, ich hätte die Seite auch gelöscht, wenn es möglich gewesen wäre, brauchbare Fans zu erkaufen. Wie gesagt, so funktioniert Social Media Marketing einfach nicht…