Erst kürzlich hatte Facebook 1 Milliarde US-Dollar für Snapchat geboten und Snapchat hatte abgelehnt. Jetzt wurde bekannt, dass Facebook in einem zweiten Angebot die Latte noch viel höher gelegt hat: 3 Milliarden US-Dollar sollen da auf dem Zettel gestanden haben, doch auch das scheint Evan Spiegel, dem Co-Founder von CEO von Snapchat, nicht zu erreichen. Und so ziert er sich weiter und will sich auf keinen Fall von Facebook schlucken lassen. Gleichzeitig lässt er aber eine Hintertür offen und hält sich das weltweit größte soziale Netzwerk als potenziellen Käufer warm. Das kann sich Snapchat scheinbar leisten, denn offensichtlich gibt es noch weitere Interessenten, die bei Facebook Eindruck machen.

Facebook will Snapchat, aber 3 Milliarden sind nicht genug

Selbstzerstörende Nachrichten als Geschäftsmodell

Snapchat ist simpel und faszinierend zugleich und hat nach einiges Finanzierungsrunden aktuell eine Bewertung von 4 Milliarden US-Dollar auf der Uhr. Diese Zahl ist offensichtlich auch der aktuelle Gradmesser für Evan Spiegel, der das Unternehmen 2011 zusammen mit Bobby Murphy gründete.

Das Besondere an Snapchat: Fotos und Nachrichten können zwar an Freunde innerhalb des Netzwerks versendet werden, zerstören sich aber nach wenigen Sekunden selbst. Diese Vernichtung ist jedoch nur auf den ersten Blick endgültig. Mit den geeigneten Mitteln lassen sich viele Daten in der Ordnerstruktur des Geräts, von dem etwas versendet oder empfangen wurde, wiederfinden.

Die User von Snapchat versenden aktuell laut Unternehmensangaben 350 Millionen Nachrichten pro Tag und stellen damit eine echte Konkurrenz zu Facebook dar – zumindest in Sachen Nachrichtenversand. Und genau das wurmt Facebook scheinbar dermaßen, dass ordentlich an Snapchat gegraben wird.

Mindestens 4 Milliarden?

Bisher waren alle Kaufangebot jedoch erfolglos. Glaubt man Berichten aus den USA, dann will Evan Spiegel pokern. Erst im „kommenden Frühjahr“ könne er sich einen Verkauf vorstellen, heißt es. Dann wird Snapchat vermutlich noch viel mehr an Wert gewonnen haben und die aktuellen 3 Milliarden US-Dollar als schlechten Scherz dastehen lassen.

Die Strategie könnte aber auch nach hinten losgehen, denn bisher hat Snapchat noch keine Gewinne gemacht. Man konnte bisher in diversen Finanzierungsrunden zwar ausreichend Geld einsammeln – zu einem positiven Geschäftsergebnis hat das bisher aber nicht geführt. Und so kann es für Facebook eigentlich nur einen Grund geben, warum man Snapchat unbedingt haben will.

Es ist die pure Angst, auf einem bestimmten Sektor ins Hintertreffen zu gelangen. Sollte Facebook Snapchat nicht kaufen, dann könnten sich vor allem junge User dauerhaft von Facebook abwenden. Außerdem gibt es mit der chinesischen Firma Tencent Holdings scheinbar einen weiteren, sehr finanzstarken Interessenten. Mit einem Kauf könnte Facebook die Funktion von Snapchat integrieren und so dafür sorgen, dass ein potenzieller Konkurrent schon im Keim erstickt wird.