Auf Facebook hat sich in den vergangenen Wochen viel getan. Erst kürzlich gab es eine Einladung für spezielle Gäste direkt in das Hauptquartier in Menlo Park. Worum ging’s? Mark Zuckerberg und Kollegen wollten einige Neuerungen vorstellen. Hintergrund waren wohl die zunehmenden Schwächen des News Feeds, der das Herz des sozialen Netzwerks darstellt. Die bisher gültige Sortiermethode, die darüber entscheidet, was wann wie weit oben steht und der User wie lange zu Gesicht bekommt, kam auf den Prüfstand. Resultat: Der EdgeRank von Facebook ist Geschichte. Was ihn auszeichnete ist in der neuen Aufbereitungsmethode für Inhalte im News Feed weiterhin vorhanden, jedoch wurde der Algorithmus stark erweitert, um auf die gestiegene Menge der Inhalte sinnvoll reagieren zu können. Das neue Konstrukt kann man schlicht und ergreifend „News Feed Rank“ nennen. Kurz: „NFR“. Doch ist die neue Methode nicht nur genauer, ist sie auch besser?

Facebook: Tschüss EdgeRank, hallo NFR

Bild: mtkang, fotolia.com

Vom Facebook EdgeRank zum Facebook NFR

Der News Feed Rank NFR soll Facebook fit für die Zukunft machen. Galten im EdgeRank primär drei große Stellschrauben als das Maß aller Dinge, so sind es nun an die „100.000 individuelle Bestandteile“, die dafür sorgen, dass die User auf Facebook im eigenen News Feed das sehen, wovon Facebook glaubt, dass es das Richtige ist.

So bezieht sich die Website Marketing Land auf ein Telefongespräch mit Lars Backstrom. Und der muss es wissen, schließlich ist er „Engineering Manager for News Feed Ranking“ und in dieser Funktion hat er täglich mit dem Thema zu tun. Backstrom sagte zu Marketing Land, dass die ursprünglichen Elemente Affinität, Gewichtung und Verweildauer auch im neuen News Feed Algorithm vertreten sind.

Hinzugekommen sind aber sehr viele andere. Bemerkenswert daran ist, dass diese anderen Faktoren mit den drei ursprünglichen gleichberechtigt und ebenso wichtig sind, laut Backstrom. Eine solche Entwicklung klingt eher nach Google also nach Facebook. Bei Google sind wir die an die oder sogar über 200 Rankingfaktoren seit Jahren gewöhnt.

[BONUS] Gratis PDF eBook und Checkliste: Lade dir das gratis eBook "10 Internet Marketing Tipps, mit denen du deine Website sofort verbesserst" jetzt runter und mach deine Website in wenigen Schritten erfolgreicher. Klick hier auf diesen Link und starte den Download deines kostenlosen eBooks!

EdgeRank reicht nicht mehr aus

Bei Facebook hatten sich viele an den EdgeRank gewöhnt, aus Qualitätsgründen reicht dieser nun aber nicht mehr aus. Evolution muss sein, findet auch Lars Backstrom. Er meint, dass man die aktuelle Entwicklung bei Facebook ganz klar mit denen von Suchmaschinen vergleichen kann.

Wer das heutige Google mit dem Google von vor 10 Jahren oder einer anderen Suchmaschine vergleicht, wird wissen, was Backstrom meint. Der EdgeRank ist heute nicht mehr in der Lage, die komplexen Zusammenhänge in den Nachrichtenströmen auf Facebook abzubilden. Mit dem neuen Facebook NFR allerdings soll das jetzt besser klappen.

Die Änderungen werden sich natürlich beim Facebook Marketing bemerkbar machen. Mit den neuerlichen Änderungen legt Facebook die Latte höher und sorgt dafür, dass man sich um mehr als nur um drei Faktoren Gedanken machen muss. Wer versteht, wie die eigene Strategie für die neuen Gegebenheiten angepasst werden sollte, der wird zu den Gewinnern gehören.

Noch bessere Inhalte müssen her

Dank Facebook NFR wird es also anspruchsvoller, organisches Wachstum beim blauen Riesen zu erzielen. Ist das schlecht? Nicht unbedingt, zwingt es doch diejenigen, die Facebook Marketing weiterhin erfolgreich machen wollen, sich anzupassen und dafür zu sorgen, noch bessere Inhalte zu schaffen. Nur so kann man die User auf Facebook überhaupt noch für sich begeistern.

Den News Feed auf Facebook gibt es übrigens erst seit September 2006. Damals hatte Mark Zuckerberg die eine brillante Idee: „Eine personalisierte Liste von Neuigkeiten, verteilt über den ganzen Tag, damit man erfährt, wann jemand aus dem eigenen Freundeskreis jemand anderes zu seinen Favoriten hinzufügt oder wann die Person, auf die man steht, wieder Single ist.“

Ja, so war das damals. Und Chris Cox, seines Zeichens Vice President von Facebook und einer der engsten Vertrauten von Mark Zuckerberg, bestätigte gegenüber Marketing Land die Einfachheit des damaligen News Feeds: „Zu Anfang haben wir den News Feed per Hand eingestellt, als würden wir an Knöpfen drehen. Fotos ein bisschen hoch, Stories ein bisschen runter, und so weiter.“

News Feed zu Anfang Handarbeit

Spätestens Ende 2007 war es mit der Handarbeit vorbei, denn zu diesem Zeitpunkt wurden Facebook Ads und Facebook Pages eingeführt. Ein Meilenstein in der Geschichte des sozialen Netzwerks und ich wünsche mir oft, schon damals meine erste Facebook Page erstellt zu haben.

Mit dieser Maßnahme versucht man bei Facebook, die großen Brands an die Plattform zu binden. Gleiches galt für Organisationen, Clubs und andere. Mit Facebook Pages konnte sich nun jeder präsentieren – nicht nur Personen. Problem: Es reichte nun nicht mehr aus, „ungefähre Justierungen“ zu machen, ein Algorithmus zur Steuerung musst her.

Und so wurde der EdgeRank aus der Taufe gehoben. Er sorgte dafür, dass individuelle News Feeds erstellt und angezeigt werden konnten. Für Facebook und seine Nutzer ein immenser Fortschritt und bis heute war auch irgendwie alles gut. Allerdings haben sich die Zeiten geändert und die drei originären Bestandteile Affinität, Gewichtung und Verweildauer sind nicht mehr ausreichend, um individuelle News Feeds präsentieren zu können.

Viele neue Faktoren kommen dazu

Ein Beispiel: Warum sollte es grundsätzlich nur um Affinität, Gewichtung und Verweildauer gehen? Ist nicht auch das Ausgabegerät wichtig? Mobiles Internet boomt, Facebook hat hier in den letzten Monaten extreme Fortschritte gemacht, 60 Prozent aller aktiven User nutzen Facebook mobil. Sollte das nicht auch ein Rankingfaktor sein?

Und was ist mit Dingen wie geografischer Herkunft, Absprungrate, manuelles Ausblenden von Beiträgen, der Markierung von Spam und so weiter. All das sind Faktoren, die berücksichtigt werden müssen – wie noch sehr viele weitere. Genau das konnte der EdgeRank bisher so nicht unbedingt leisten. Mit dem neuen Facebook News Feed Algorithm wird das aber möglich.

Die neue Formel berücksichtigt zum Beispiel auch, was Freunde mit gleichen Interessen auf Facebook konsumiert haben. Sofern sich hier Überschneidungen ergeben, können entsprechend Beiträge in persönlichen News Feed prominenter auftauchen als bisher. Auch hat man festgestellt, dass es Situationen gibt, in denen ältere Beiträge länger als nur zwei Stunden interessant sein können. Also wurde mit dem „Story Bumping“ ein neuer Faktor eingeführt, der genau das bewirkt: Ältere Stories werden im News Feed wieder nach oben gespült.

Facebook entwickelt sich weiter

Der Facebook NFR ist also die logische Konsequenz der bisherigen Entwicklung. Wenn man sich vorstellt, wie sich Facebook in den letzten Jahren entwickelt hat, dann liegt auf der Hand, dass es nicht bei drei grundsätzlichen Rankingfaktoren bleiben konnte, auch wenn diese Faktoren jetzt und in Zukunft definitiv nach wie vor wichtig sind.

Facebook Marketing allerdings wird komplexer und Methoden, die in der Vergangenheit schnelle Erfolge brachten, reichen in Zukunft nicht mehr aus. Der neue Facebook NFR wird dafür sorgen, dass hochwertige Inhalte noch erfolgreicher werden also sie es ohnehin schon sind. Insofern geht die Entwicklung in die gleiche Richtung wie bei Google.

Mit einer neuen Unterseite hat Facebook zudem einen Schritt zu mehr Transparenz gemacht. Das soll verdeutlichen, dass man Unternehmen und Organisationen besser informieren will, wenn es um Facebook Marketing allgemein und den News Feed im Speziellen geht.

Fazit

Bricht für Facebook also eine neue Ära an? Möglich. Fakt ist, dass Facebook immer mehr daran arbeiten muss, nur echte Qualität anzuzeigen, damit bestehende User weiter an das Netzwerk gebunden werden können.

Neue User sollen natürlich hinzukommen, gleiches gilt für Unternehmen, Organisationen, Städte oder Prominente. Facebook will so der universelle Aufenthaltsort für alles und jeden im Internet werden. Der neue Facebook NFR schafft dafür verbesserte Voraussetzungen, wenn die User mitspielen.

Wer auf Anbieterseite Inhalte für Facebook aufbereitet und einstellt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es nun deutlich mehr Faktoren gibt, die dafür sorgen, wann ein Beitrag wo und wie lange angezeigt wird. Das lässt sich zwar auch jetzt noch durch Werbung flankieren, organisches Wachstum sollte aber nach wie vor das eigentliche Ziel sein. Fest steht, dass es ab sofort eine neue Optimierungsdisziplin im Internet gibt: NFRO. News Feed Rank Optimization. EdgeRank war gestern!