„Niemals geht man so ganz“, das altbekannte Lied der einstigen Schauspielerin und Entertainerin Trude Herr, hat zeitlose Gültigkeit, besonders in Bezug auf soziale Netzwerke. Wer auf Facebook schon mal versucht hat, etwas komplett zu löschen, wird festgestellt haben, dass das nicht wirklich funtkioniert. Das Netz vergisst eben nicht – und Facebook schon gar nicht. Selbst ein deaktiviertes Facebook-Konto wird für eine mögliche Wiederbelebung zwischengespeichert und ist nicht komplett aus der Netzwelt verschwunden. Und selbst bereits gelöschte Mitteilungen könnten einem noch weiter zum Verhängnis werden, da sie gespeichert bleiben. Aber wer weiß schon, dass selbst Posts, die zwar einmal geschrieben, aber doch nicht abgeschickt wurden, ebenfalls gespeichert werden? Ganz gleich, was man tippt: Facebook schreibt mit. Immer.

Facebook interessiert sich für unveröffentlichte Posts

Schwammige Datenschutzbestimmungen

Selbst eingefleischten Nerds dürfte diese Information bislang unbekannt gewesen sein. Wirft man einen Blick in die Datenschutzbestimmungen von Facebook, dann stellt man fest, dass Facebook dies nicht eindeutig formuliert hat.

Der Wortlaut ist, dass Facebook die Nutzerdaten speichert über „Elemente, die sich der Nutzer ansieht oder mit denen er interagiert“. Dazu zählen für den Netzwerkgiganten offensichtlich auch Dinge, die man im Nachhinein gar nicht veröffentlichen wollte.

Man wird schon einen Grund gehabt haben, warum bestimmte Postings nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte. Doch Facebook scheint das nicht zu kümmern.

Facebook sieht sich im Recht

Jetzt fragte das US-amerikanische Magazin „Slate“ bei Facebook nach, doch das Unternehmen sieht sich im Recht. Die oben genannte Formulierung des Interagierens in anderer Weise würde auf unveröffentlichte Posts ebenso passen wie auf echte Interaktionen oder abgeschickte Postings im eigenen Account auch.

Und wie wir mittlerweile wissen, findet Facebook auch nichts Verwerfliches dran, die Daten seiner Nutzer für die eigenen Zwecke zu nutzen, um Informationen zu sammeln.

Schließlich könnten diese Daten irgendwann mal nützlich sein. Und höchstwahrscheinlich baut Facebook auch vor, um für technische Neuerungen in der Zukunft fit zu sein. Wer weiß, was in fünf Jahren möglich ist. Wenn man dann schon vorhandene Daten neu verwerten kann – ein Traum aus der Sicht von Facebook.

Studie veröffentlicht Ergebnisse

Zu diesem Thema ist jetzt auch eine wissenschaftliche Arbeit erschienen. Sie nennt sich „Self-Cencorship on Facebook“. Darin analysieren die Informatiker Adam Kramer und Sauvik Das Statusmeldungen von Facebooknutzern, die nie veröffentlicht wurden – in der Zahl 3,9 Millionen.

Ziel der Studie ist es, herauszufinden, wie oft Nutzer sich selbst zensieren. Für Datenschützer dürften diese Studie und die beiden Informatiker aber keine große Hilfe sein, denn die Beiden stehen auf der Seite des sozialen Netzwerkanbieters. In ihren Ermittlungen, warum so viel zensiert wird, steht auch der Wunsch, dies unter allen Umständen zukünftig zu vermeiden.

Denn dadurch gehen viele Informationen verloren, die die Netzwelt aber unbedingt erfahren sollte. Im Klartext: Facebook möchte nicht, dass man Informationen oder Status-Updates gleich welcher Art verschweigt. Könnte ja was Interessantes dabei sein…