Am heutigen 4. Februar 2014 wird Facebook 10 Jahre alt. Schaut man sich die Geschichte des größten sozialen Netzwerks in den letzten 10 Jahre an, dann wird klar: Hier ist etwas ganz Großes entstanden, dass das Leben von Millionen von Menschen weltweit täglich beeinflusst. Allerdings wäre es langweilig, einfach nur in die Lobeshymnen dieser Tage einzustimmen. Viel spannender dagegen ist ein Ausblick auf die kommenden 5 Jahre. Wie wird Facebook 2019 aussehen, wenn es endgültig zum Teenager herangewachsen ist und sich mitten in der Pubertät befindet? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern und was muss getan werden, damit der Höhenflug nicht abrupt endet? Mit diesem Artikel wage ich einen Ausblick.

Facebook 2019: Happy Birthday zum 15.!

Bild: mtkang, fotolia.com

Am Anfang war die Idee

Heute vor 10 Jahren wurde Facebook gegründet und was seit dem 4.2.2004 passiert ist, davor kann man respektvoll den Hut ziehen. Im Internet-Zeitalter kommt es häufiger vor, dass simple Ideen innerhalb sehr kurzer Zeit zu echten Erfolgsgeschichte avancieren, doch was mit Facebook passiert ist, sucht bis heute Seinesgleichen.

Dabei war die Idee an sich gar nicht so neu und es gab schon vorher ähnliche Modelle, die auch so funktionierten. Friendster ist ein Beispiel dafür und auch MySpace hatte grundsätzliche Züge von dem, womit Facebook dann schließlich weltbekannt wurde. Aber: Facebook hatte die relativ clevere Idee, ganz zu Anfang auf Exklusivität zu setzen, so dass zunächst nur bestimmte Personen beitreten konnten. Nicht jeder kam einfach so rein.

Solche künstlichen Verknappungen funktionieren immer gut und sorgen dafür, dass ein Produkt wertiger erscheinen kann, als es das eigentlich ist. Bei Facebook war diese Vorgehensweise vermutlich gar nicht nötig, denn das Verlangen der Mitglieder, genau zu wissen, was andere im Freundkreis tun und wo sie sich aufhalten, führte schnell zur Ausbildung eines extremen Suchtfaktors.

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Hollywood-tauglich verfilmt

All das lässt sich auch in dem 2010 erschienen Hollywood-Film „The Social Network“ bestaunen. Und auch wenn sich nicht alles genau so zugetragen hat, wie es in dem Film geschildert wird – der Streifen zeigt doch sehr anschaulich, wie aus der Verkettung von guten Ideen und glücklichen Zufällen etwas sehr Großes entstehen kann.

Schon im Dezember 2005 hatte Facebook 6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer für sich begeistert und schon im April 2006 ging Facebook für mobile Endgeräte an den Start – bevor es das iPhone gab. Man kann dem Gründerteam um Mark Zuckerberg alles Mögliche vorwerfen, den Mangel an Ideen und Innovationen allerdings nicht.

Wie wir alle wissen, ist das mobile Internet mittlerweile der wichtigste Geschäftsbereich für Facebook und in den kommenden Jahren wird sich daran auch nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Bis zu seinem 15. Geburtstag wird Facebook weiter alles daran gesetzt haben, das Thema „Mobile“ noch mehr zu priorisieren. Dafür sind selbstverständlich wieder neue Ideen und Innovationen notwendig, doch dazu später mehr.

Kleine Kinder brauchen Aufmerksamkeit

Heute ist Facebook 10 Jahre alt geworden und befindet sich auf der Schwelle von der Kindheit zur Pubertät. In 5 Jahren wird Facebook mittendrin sein – und es ist spannend, sich zu überlegen, wie sich die digitale Pubertät auf Facebook auswirken wird. Der Weg in den letzten 10 Jahren war von jeder Menge Aufmerksamkeit begleitet. Kinder brauchen Aufmerksamkeit, keine Frage. Man muss sich intensiv um sie kümmern, damit sie behütet aufwachsen und sich prächtig entwickeln.

All das hat man bei Facebook in den letzten Jahren mehr als erfolgreich getan und auch wenn es gelegentlich Rückschläge gibt, so hat sich das „Baby“ gut entwickelt und ist zu einem kräftigen Kind herangewachsen. Heranwachsende Kinder brauchen aber auch immer mehr zu essen und irgendwann reichte es für Facebook nicht mehr, einfach nur ein soziales Netzwerk zu sein, Facebook brauchte mehr „Futter“.

Dieses „Futter“ wird bei Internet-Firmen in der Regel mit neuem Kapital herangeschafft und so wagte sich Facebook vor knapp 2 Jahren an die Börse. Bei diesem Börsengang ging viel schief, doch mittlerweile hat man sich gefangen und ist erfolgreich – eben mit diesem Konzept, das damals vor 2 Jahren entworfen wurde. Schon damals hatte Mark Zuckerberg das mobile Internet nach wie vor auf dem Schirm und erkannte, dass es die Zukunft ist. Dieser Weitblick wurde belohnt.

Nur an der Börse gibt es viel Geld

Mit dem 2012 eingesammelten Geld konnte Facebook weiter wachsen, Innovationen vorantreiben und Firmen aufkaufen. Einer der bisher sinnvollsten Coups war die Übernahme von Instagram. Instagram erweist sich als Zugpferd im mobilen Internet und wird immer wichtiger. Facebook wird sich darüber freuen, gleichzeitig muss man sich aber überlegen, was man den Usern in Zukunft bieten möchte, um nicht unter die Räder zu kommen.

Denn Konkurrenz ist da, auch wenn das heute noch niemand glauben will. Google+, das eigentlich nicht wirklich als reines soziales Netzwerk gestartet ist, kann Facebook in den kommenden 5 Jahren durchaus gefährlich werden. Gleiches gilt für neue soziale Netzwerke, die vielleicht aktuell noch gar nicht gestartet sind, aber aufgrund der veränderten Altersstrukturen möglicherweise dafür sorgen werden, dass Facebook überaltert – mangels Nachwuchs.

Auch wenn Facebook derzeit weiter wächst, was vor allem dem Zustrom neuer User aus der Altersgruppe der über 50-Jährigen zu verdanken ist, gibt es beim Nachwuchs ein Problem. Insgesamt gesehen ist das aktuell nicht bedrohlich, aber die Teenager von heute sind die Erwachsenen von morgen. Kann Facebook die heute 16-Jährigen nicht mehr begeistern, dass werden sich diese jungen Leute auch 2019 vermutlich nicht für den 15. Geburtstag von Facebook interessieren.

Von der Vision zur Realität

Mark Zuckerberg wollte ursprünglich „das gesamte soziale Leben an der Uni“ abbilden. So zumindest wird es im Film „The Social Network“ geschildert. Sein Wunsch sprengte alle Ketten, denn mittlerweile bildet er das soziale Leben auf einem Großteil des Planeten ab. Ob er sich das so vorgestellt hatte? Vermutlich nicht, doch aus der Idee, den eigenen Campus zu revolutionieren, entstand die Idee, „die Welt besser zu machen“ und sie „mehr zu vernetzen“.

All das sind hehre Ziele und Facebook ist aktuell auf einem guten Weg, genau das zu erreichen. „Besser“ ist da natürlich immer relativ, denn viele Kritiker sehen in Facebook nur eine weitere Datenkrake, die mit den Informationen über die eigenen User viel Geld verdienen will. Und dieser Vorwurf ist berechtigt, denn genau das macht Facebook.

Einzig in welchem Umfang genau das passiert, ist offen. Andererseits muss sich ein Unternehmen wie Facebook finanzieren, weil es sonst schlicht und ergreifend nicht existieren könnte. Auch Facebook ist nur deswegen gratis nutzbar, weil die Finanzierung über diesen anderen Kanal geht, der im Internet sehr populär ist. Werbung ist und bleibt das wichtigste Instrument, um Ideen wie Facebook überhaupt realisieren zu können. Und da ist es aus der Sicht von Facebook legitim, diese Werbung verbessern zu wollen, wofür man eben möglichst viele Daten braucht.

Vormachtstellung im Internet?

Am heutigen 2. Februar 2014 hat Facebook auf jeden Fall die Vormachtstellung im Internet, wenn es um soziale Netzwerke geht. Das allein wird in den kommenden 5 Jahren aber nicht ausreichen, um weiter auf Wachstumskurs zu bleiben. Und so hat Facebook im Kern 2 Optionen, wenn man auch 2019 immer noch ein „Big Player“ sein will. Am besten wäre es, wenn Facebook selbst auch sich heraus die Entwicklung neuer Ideen vorantreibt und dann letztendlich durch neue Produkte innerhalb oder außerhalb des bisherigen eigenen Mikrokosmos überzeugt.

Neue Innovationen also, die von den Usern genau so geliebt und heiß begehrt werden, wie das bei Facebook als neues, frisches und reines Social Network 2004 der Fall war. Die andere Option ist das „Wildern“ in fremden Bereichen. Facebook könnte sich weiterhin neue und erfolgreiche Geschäftskonzepte unter den Nagel reißen (siehe Instagram), sie sich einverleiben und damit neue Märkte erobern. Der Fall „SnapChat“ hat aber gezeigt, dass das nicht so einfach ist, denn die „SnapChat“-Gründer wollten einfach nicht verkaufen – auch nicht für 3 Milliarden US-Dollar.

Das war ein schwerer Schlag für Mark Zuckerberg, zudem seine eigene Kopie, eine unrühmliche App, die schnell im Erdboden versank, nicht überzeugen konnte. Mit Geld lässt sich also nicht alles lösen und so scheint es dann doch sinnvoller, mit neuen Innovationen zu punkten und Ideen so zu entwickeln, dass sie sich, ähnlich wie damals Facebook in seinen Anfangstagen, in rasender Geschwindigkeit verbreiten.

Big Data allein reicht nicht

Die Entwicklung macht auch deutlich, dass es nicht reicht, einfach nur viele Daten zu haben. Ohne sinnvolle Verknüpfungen der Daten, und ohne zu wissen, was genau man mit diesen Daten anstellen will, sind sie wertlos. Ich persönlich frage mich schon seit Jahren, warum Facebook seine Daten nicht nutzt, um eine wirklich „soziale Suchmaschine“ zu starten.

Die Suchfunktionen innerhalb von Facebook überzeugen (mich) bis heute nicht und wenn Facebook das Leben der Menschen wirklich verbessern will, dass muss angefangen werden, echte Antworten auf die Fragen der User zu geben. Konkurrent Google will genau da hin und auch Facebook wäre gut beraten, die Masse an Daten nicht nur für Werbeanzeigen zu verbraten.

Wichtiger wird es in den kommenden 5 Jahren sein, den Nutzerinnen und Nutzern wirklich zu helfen und ihnen somit das Leben zu erleichtern, ob nun mobil oder nicht – denn Antworten auf wichtige Themen braucht man immer, egal wo man sich befindet. Funktionen, die diese Antworten liefern, werden Facebook immun machen gegen Mitbewerber und im gleichen Atemzug wird es auch möglich sein, sich weiterhin neben Google als eine der wichtigsten Websites weltweit zu behaupten – oder Google sogar endgültig zu beerben.

Expandierende Konzepte sind gefragt

2004 war Facebook ein „expandierendes Konzept“. Es war neu, es war spannend, es war sexy – und alle wollten dabei sein. Solche Konzepte werden wieder gefragt sein, Facebook muss sich in den kommenden 5 Jahren ständig und immer wieder neu erfinden. Ob man das nun aus eigener Kraft tut und selbst entwickelte Ideen verwirklicht, oder ob man die eigene finanzielle Macht so einsetzt, dass spannende Konzepte von Dritte übernommen und weiterentwickelt oder einverleibt werden?

Die kommenden Jahre werden die Antwort auf diese Frage bringen – oder auch nicht. Fakt ist, dass ein evolutionärer Stillstand Facebook an den Rand des Abgrunds bringen kann. Gefährlich kann das vor allem dann werden, wenn sich andere Unternehmen schneller als Facebook entwickeln und Funktionen anbieten, die Facebook einzuführen versäumt hat. Und mag der Wille zu Innovation und Evolution auch noch so stark sein – auch die Bedürfnisse der User müssen befriedigt werden, so dass Facebook sich auf gar keinen Fall zu sehr von seiner eigentlichen Kernkompetenz, nämlich der Vernetzung von Freunden untereinander, entfernen darf.

Sofern Facebook diese Herausforderungen in den kommenden 5 Jahren meistern kann, wird man sich behaupten können und vermutlich noch mächtiger werden. Dabei sollte allerdings nicht ausschließlich auf den Aktienkurs und das Wohl der Aktionäre und Teilhaber geschaut werden. Facebook funktioniert nur deswegen, weil sich die User nach wie vor für die Plattform begeistern. Aus diesem Grund kann Facebook nur Bestand haben und wachsen, wenn die User Experience immer der wichtigste Kern der Weiterentwicklung bleibt. Und sofern das der Fall sein wird, freue ich mich schon heute auf ein weiteres, aufregendes halbes Jahrzehnt mit Facebook, tief, sinnvoll und nützlich verankert im digitalen Alltag der Menschen.