Das Internet ist voll von Angeboten, guten und schlechten. Mehr Information bedeutet, dass die Auswahl grundsätzlich schwieriger wird. Problem: mitunter sind einzelne Personen überfordert, aus der Menge der zur Verfügung gestellten Fakten zu ermitteln, ob sich ein Angebot lohnt oder nicht. Der Trend der Sternebewertung hat dieses Problem behoben, sollte man meinen. Mittlerweile aber treibt der inflationäre Gebrauch dieser Bewertungsform seltsame Blüten. So misstrauen viele Menschen heute bereits Angeboten in Online Shops, wenn sie „nur“ 4 von 5 Sternen haben. Dass es sich dabei nicht zwingend um die Wahrheit handelt, ist traurige Tatsache. So werden vermeintlich schlechte Angebote nach oben „gevoted“, bei guten Produkten versucht die Konkurrenz, mit absichtlich schlechten Bewertungen negativ zu stören – so hört man es immer häufiger. Wie kann man es also schaffen, dennoch den Überblick zu bekommen und die Spreu vom Weizen zu trennen?

Der Fluch der Sternebewertung

Mafiöse Strukturen?

Im Sommer letzten Jahres erschien ein Bericht über die „5 Sterne Mafia“. Plakativ, zugegeben. Der Titel des Berichts gibt jedoch passend wieder, was viele von uns täglich ahnen, wenn sie Rezensionen mit Sternebewertung sehen.

Oft hat es den Anschein, als sei manipuliert worden. Bedauerlicherweise lässt sich weder beweisen, dass solche Sternebewertungen tatsächlich falsch sind – aber auch das Gegenteil liegt nicht auf der Hand. Ist diese Bewertung wirklich echt oder nicht? Das bleibt oft unklar.

Rein psychologisch und evolutionär betrachtet entfaltet die positive Sternebewertung ihre große Macht aufgrund der „sozialen Bewährtheit“. Menschen tendieren im Zweifel dazu, sich an ihrer Umgebung zu orientieren, wenn sie sich nicht 100%ig sicher sind.

Menschen mögen Sterne

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Aus diesem Grund ist Sternebewertung so populär. Folge: sie werden inflationär eingesetzt und führen so dazu, dass bei genauerem Hinsehen ein fader Beigeschmack entstehen kann. Kunden von großen Online Shops sind oft dennoch bereit, guten Bewertungen blind zu vertrauen und bestellen Produkte auch dann, wenn sie sich nicht sicher sind.

Eine positive Sternebewertung erzeugt unterbewusst Sicherheit, die Käufer dazu verleiten kann, etwas zu kaufen, obwohl sie vorher in der Magengegend ein ungutes Gefühl haben. Das Vertrauen darauf, dass „schon alles in Ordnung sei, wenn so viele andere das gut finden“ drängt dieses ungute Gefühl aber in den Hintergrund.

Was also tun? Grundsätzlich ist es sinnvoll, zum Beispiel in sozialen Netzwerken Bewertungen von Leuten einzuholen, die man tatsächlich kennt. Solche Meinungen sind wertvoller als Sternebewertungen, haben aber auch einen Nachteil: was macht man, wenn man niemanden kennt, der mit einem bestimmten Produkt Erfahrungen hat?

Problem erkannt, Problem gebannt?

Dieses Problem haben Anbieter von Plattformen wie Erfahrungen.com erkannt und steuern dagegeben. Ziel: über die reine Sternebewertung hinaus sollen weitere Informationen wie konkrete Test- und Erfahrungsberichte sowie Videos von Nutzern dafür sorgen, dass die Bewertungen authentisch und somit glaubhafter sind.

Vorteil: durch die Fülle weiterer Informationen kann man sich als Verbraucher ein detaillierteres Bild machen und ist nicht zwingend auf nur eine Kennzahl angewiesen. Grundsätzlich verfolgt das Prinzip solcher Angebote die Bestrebung von Menschen, sich mehrfach abzusichern.

Auch das ist übrigens eine Form der „sozialen Bewährtheit“: je mehr sinnvolle Meinungen ich über ein Thema in Erfahrung bringen und mir bestätigen lassen kann, desto eher steigt die Chance, dass ich dem Gesamtergebnis vertraue – schließlich machen das andere Menschen auch so.

„Twinkle, twinkle, little Star…“

Sternebewertungen werden uns höchstwahrscheinlich weiter im eCommerce begleiten. Prinzipiell ist an Ihnen auch nichts auszusetzen. Isoliert betrachtet sind sie aber nicht 100% aussagekräftig. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man ein Produkt zwar kennt, aber aus bestimmten Gründen nach Alternativen dazu sucht.

Sich bei der Wahl eines alternativen Produkts einzig auf eine Kennzahl zu verlassen, ist nicht unbedingt clever. Im echten Leben würden die meisten von uns auch nicht so handeln. Wollte man sich früher ein neues Produkt zulegen, von dem aber nicht sicher war, ob es wirklich etwas taugte, dann holte man sich Rat bei Leuten oder Publikationen, die sich mit so was auskennen.

Das konnten Freunde gewesen sein, aber auch Zeitungsberichte, Testreihen oder Verkäufer. Institutionen wie „Stiftung Warentest“ sind nicht umsonst seit Jahrzehnten Anlaufstelle für Menschen, die Rat suchen.

Was taugt ein Sternekoch?

Im modernen Internet haben sich die Informationen zwar vervielfältigt – die Auswahl der korrekten Fakten und die anschließende Beurteilung sind aber keineswegs einfacher geworden. Im Gegenteil.

Warum Sternebewertungen nicht verschwinden werden? Der Stern als öffentliches Beurteilungskriterium ist spätestens seit der professionellen Hotellerie etabliert und „gelernt“ – gleiches gilt für die Gastronomie und das Thema Urlaub, weil sie in vielen Fällen auch die wirklichen Fakten wiedergeben.

Problem: der Stern eines Sternekochs oder die 5 Sterne einer Ferienanlage auf den Malediven lassen sich nicht so einfach manipulieren, weil sie sehr oft auf echten Meinungen und Fakten basieren. Bei Sternebewertungen im Internet sieht das jedoch manchmal anders aus.